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Wahrscheinlichkeiten beeinflussen vs. Glück einplanen (oder: Lotto-Optimismus)

12.10.2009

M., ein Freund hat mir neulich von seinen finanziellen Nöten erzählt. Und mich damit überrascht. Denn eigentlich sah von außen alles bestens aus. Sie hatten sich erst vor einigen Monaten ein neues Auto gekauft, eine kleine (bescheidene) Eigentumswohnung, und nach vielen erfolglosen Versuchen endlich ein Kind bekommen.

Allerdings alles auf Raten, und alles mit sehr “optimistischen Berechnungen”. Dann wurde das Kind krank und musste ins Krankenhaus für ein paar Tage. Mittlerweile ist alles wieder gut – doch die Krankenhauskosten haben eine großes Loch in ihr Budget gefressen. Ein Loch, dass sie nicht stopfen können.

Natürlich könnte man sagen – ja, da können sie doch nichts dafür, wenn ihr Kind krank wird. (Aber warum kauft man sich ein Auto auf Raten, wenn man sowieso noch auf Jahre hinaus verschuldet ist, seinen Fernseher noch immer abstottert, …?)

Und bald hatte M. dann nur noch 600 Baht in der Tasche. (Ungefähr 12 Euro). Und noch knapp eine Woche bis zum Monatsende.

Das ist zwar sehr karg, aber in Thailand KANN man damit mal eine Woche durchkommen wenn man vorrausplant. Dann gibt’s halt eine Woche mal nur Reis mit Sojasoße. Oder man fragt einen Freund, aber das wollte er auch nicht.

M. aber hatte eine bessere Idee: Er würde in den Tempel gehen, den Mönchen Geld spenden, und dann ein Lotterielos kaufen. Nachdem er durch die Tempelspenden seine Glücksreserven aufgeladen hat, war ihm der Gewinn ja sicher.

Erstaunlicherweise war das Los eine Niete, und M. nun völlig pleite.

Ist M. ein Dummkopf?

Nein. M. ist Lehrer an einer angesehenen Schule, und hat einen Zulassungstest bestanden, den von fast 5000 Lehrern nur zwei bestanden haben.

Aber was Geld angeht, da ist er… nun, offenbar nicht unbedingt mit Weisheit gesegnet.

Und auch wenn M. ein extremes Beispiel ist: viele Menschen handeln (auf ihre Weise) genauso.

Glück oder Wahrscheinlichkeit?

Ich glaube die meisten Menschen haben in etwa das gleiche Maß an Glück im Leben. Manche Menschen habe viel mehr Glück, manche haben weniger, aber so im Durchschnitt, da ist es doch gerecht verteilt.

Wir können das Glück nicht beeinflussen. Aber wir können Wahrscheinlichkeiten beeinflussen. Als M. die Entscheidung getroffen hatte sich ein neues Auto zu kaufen, anstatt das Geld das er jeden Monat übrig hatte auf die hohe Kante zu legen (oder damit seine Schulden schneller loszuwerden, oder in ein kleines Geschäft zu investieren mit dem er Geld verdienen könnte…), hat er die Wahrscheinlichkeiten in Richtung “es reicht nicht” verschoben.

(Und was hat seine Lotto-Idee mit seinen Wahrscheinlichkeiten gemacht? Russisch Roulette mit 5 Patronen im Revolver).

Ich glaube, dass eine ganze Menge an Menschen viel zu große Portionen Glück einplanen, aber ihre Wahrscheinlichkeiten viel zu sehr vernachlässigen.

Habe Vertrauen in das Universum, sei Optimist. Aber es gibt einen Unterschied zwischen “ich werde im Lotto gewinnen-Optimismus” und “es ist möglich-Optimismus”.

Je mehr Verzweiflung ein Mensch empfindet, desto mehr scheint er seltsamerweise zum Lotto-Optimismus zu neigen.

Viel Glück,
Ramin

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