streng limitiert

Haben wollen, was wir nicht haben können

01.10.2009

Oft wollen wir haben, was wir nicht haben können. Und je weniger wir es haben können, desto mehr wollen wir es haben. Je unerreichbarer etwas ist, desto schöner, toller und fantastischer erscheint es uns.

Und meist merken wir erst, was wir an einem Menschen, oder einer Sache hatten, wenn wir sie verloren haben.

Biologie des Unerreichbaren

Bestimmt hast Du schon von Dopamin gehört: Dopamin ist die Chemikalie in unserem Kopf, die uns “glücklich macht”. Die körpereigene “Belohnungs-Droge”, die unter anderem durch Schokolade, Sex und andere Angenehmheiten ausgeschüttet wird.

Je länger die Vorfreude auf eine vorgestellte Freude, desto mehr Dopamin wird produziert. (Und wenn wir uns nach etwas Unerreichbarem sehnen, dann ist das eine laaange Zeit der Vorfreude – auch neurophysiologisch einfach deshalb, weil wir es selbst als “unerreichbar” ansehen, und es so kurzfristig schon kräftig aufgeladen werden kann).

Sind wir also einfach nur “biologisch unreif”? Sobald wir etwas sehen, was wir noch nie hatten, springt ein Teil unseres Gehirnes einfach an und schreit: “Auch haben wollen! Auch haben wollen!”?

Wollen, aber nicht haben können im Marketing

Es ist auf jeden Fall etwas, das tief in der menschlichen Natur verwurzelt ist. Werbetreibende machen beständig davon Gebrauch. Wie oft sehen wir “limitierte Sonderedition”, “limitierte Auflage”, “begrenztes Kontingent”, “nur solange der Vorrat reicht”, und etwas das wir vorher vielleicht ganz gerne gehabt hätten, wird plötzlich zu etwas, das wir unbedingt jetzt haben müssen. Weil wir diese Gelegenheit auf keinen Fall verpassen wollen. Der Schmerz den wir vermeiden wollen.

Die Firma Knob Creek, die Bourbon herstellt, zum Beispiel hat das geschickt eingesetzt. Bourbon muss mindestens zwei Jahre in einem Fass gelagert werden, und bei Knob Creek wird es sogar neun Jahre gelagert. Im Jahr 2000 haben sie unterschätzt, wie erfolgreich ihr Marketing ein paar Jahre später sein würde, und heute ist ein wesentlich größerer Bedarf an Knob Creek als das was da ist. Kurz: Knob Creek ist in vielen Läden ausverkauft.

Und je “ausverkaufter” es ist, desto mehr Leute wollen Knob Creek trinken. Denn schließlich muss es ja einen Grund dafür geben, dass es ausverkauft ist – es muss ja ein fantastischer Bourbon sein, wenn die Firma nicht mit dem Produzieren hinterherkommt. Ganz nebenbei platziert sich die Firma so auch geschickt in den Köpfen der Leute als ein “kleine, echte Brennerei”, und nicht etwa Massenware die es in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Kurz: es ist etwas Exklusives, Hochwertiges, Feines.

Jeder Jahr zu Weihnachten gibt es irgendein Spielzeug, das in verschiedenen Läden ausverkauft ist – und plötzlich bricht eine Riesenwelle los, und JEDER will dieses Spielzeug seinen Kindern schenken.

Hersteller von Luxusuhren wissen auch, wie sie die Begehrlichkeiten wohlhabender Leute wecken: streng limitierte Sondereditionen, nur 1000 Exemplare weltweit, jede mit einer einzigartigen Seriennummer versehen.

In Asien werden Büro’s mit der Hausnummer 888 für deutlich höhere Preise vermietet, als andere Hausnummern – weil man glaubt, dass die 888 gut für`s Geschäft ist.

Und was wäre ein neuer Ferrari, wenn jeder der das Geld hat einen haben könnte, ohne dafür mehr als ein Jahre zu warten.

Verkaufspsychologie der Eskimos

Und sogar robbenjagende Eskimo’s wissen wie sie die haben wollen, aber nicht können Psychologie einsetzen um von den Händlern mehr für ihre Robbenfelle zu bekommen. Sie reden ihre eigene Beute schlecht, so weit, dass sie gar zu beschämt sind um dem Händler die Felle zu zeigen, und sagen: “Nein, nein, Du verschwendest nur Deine Zeit, wenn Du Dir meine Felle anschaust.” Scheinbar machen sie das mit soviel Glaubwürdigkeit, dass die Händler die Felle umso dringender kaufen wollen, je weniger der Jäger bereit ist sie ihm auch nur zu zeigen, weil es seine Jägers-Ehre verletzen würde.

Unerreichbarem hinterherjagen oder glücklich sein

Dankbarkeit für die Dinge, die wir “haben” ist einer der besten Wege, um das “Wollen, was wir nicht haben können” zu vermeiden.

Wenn Du dankbar bist, für all die Dinge die Du als selbstverständlich annimmst, wirst Du Dich viel mehr an ihnen erfreuen können. Und mehr Dinge und Menschen, die Dich glücklich machen, kommen in Dein Leben. (Oftmals Dinge, von denen Du vorher gedacht hättest, dass sie unerreichbar sind… und manches, was zuvor so begehrlich schien, wird sich bei Lichte betrachtet dann doch als recht fade entpuppen. So gesehen ist es eine hervorragende Methode um die Spreu vom Weizen zu trennen, und Dich im Leben auf das zu fokussieren, was wirklich wichtig ist).

Wer dagegen weiter all den unerreichbaren Dingen im Leben hinterherläuft, der wird oft mehr und mehr die Achtung für das verlieren, was schon da ist. Und weniger Freude an dem haben was ist, und sich nur nach dem sehnen, wie es sein könnte. Mit Kreditkarten und Ratenkäufen all die Dinge kaufen, die man sich nicht leisten kann. Und, und, und…

Glücklich sein und “hungrig bleiben”

Es ist eine feine Linie, zwischen “Unerreichbares wollen”, und “Träume verwirklichen”. Leider kombinieren die meisten Menschen das auf die seltsamste Art und Weise: sie sehnen sich nach dem Unerreichbaren (und zwar nur, weil es unerreichbar ist, nicht weil es tatsächlich einen Wert für sie in ihrem Leben hätte), aber geben gleichzeitig ihre eigenen, wirklichen Träume auf, weil sie denken sie seien unrealistisch.

Umgekehrt ist dem Glück zuträglicher 🙂


You can’t always get what you want.
But if you try sometimes
You just might find
You get what you need.

– Rolling Stones

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