vergleichen mit anderen & unzufrieden mit sich selbst

Sich zuviel mit anderen vergleichen

23.09.2009

Stell Dir vor Du gehst zu einem Klassentreffen, und sieht dort all Deine alten Klassenkameraden wieder. Dennis ist auch da – Dennis, der in jeder Stunde seine Hand gehoben hat, der immer gerne an die Tafel wollte, der immer gute Noten bekommen hat, der sich immer bei den Lehrern eingeschleimt hat, der immer neunmalklug dahergeredet hat, und den Du damals schon nicht ausstehen konntest.

Du schüttelst ihm freundlich lächelnd die Hand und bemerkst, dass die Klamotten die er trägt in etwa so viel kosten, wie Dein Auto. Seine Frau sieht aus wie ein Supermodel (und sie trägt einen dicken Diamantklunker am Finger). Du bemerkst auch, dass die anderen Frauen im Raum ihn ganz anders ansehen, als sie Dich ansehen. Und auch die Männer behandeln ihn mit mehr Respekt als Dich.

Und insgeheim, da stichelt es ein bisschen. (siehe: “Selbstbewusstsein stärken – Aufhören sich mit anderen zu vergleichen”).

Bei Dir schwindet der Haaransatz auch schon so schnell wie das Polareis schmilzt – auf seinem Kopf, die volle Haarpracht. (Es gibt genügend Möglichkeiten mit dem eigenen Körper unzufrieden zu sein).

Vielleicht denkst Du Dir: “Na, der hat’s aber immernoch nötig, der olle Großkotz.” Aber das reicht nicht ganz, um über den Mini-Minderwertigkeitskomplex hinwegzukommen, den Dennis da gerade getriggert hat.

Dennis ist James Bond – und Du bist… Loriot?

Warum macht uns das was aus?

Im Grunde gibt es meist zwei Gründe dafür. Der eine ist biologisch, und der andere sollte Dir zu denken geben.

Psychologie des Vergleichens

So gerne wir alle weise, spirituell und über die kleinen Dinge des Lebens erhaben wären – die Biologie sitzt in unseren Zellen. Und unsere Biologie ist von ein paar hundert Millionen Jahren Evolution geprägt. Die wohl wichtigste biologische Aufgabe in unserem Leben ist unser Erbgut weiterzugeben. Und dafür brauchen wir einen Partner. Am besten einen Partner, der unser Erbgut verbessert und starke, kluge, schöne Kinder aufzieht. Um so einen Partner zu finden, muss man jedoch auch selbst “was zu bieten haben”. Deshalb ist es uns biologisch eingeprägt, unsere guten Seiten, unsere Stärken und Vorzüge zur Schau zu Stellen – und die Nachteile zu überdecken.

(Wer daran zweifelt, der möge sich einfach mal fragen, weshalb die Kosmetikindustrie allein mit einem kleinen Nischensegment wie Bio-Kosmetik im Jahr 2008 etwa 7.000.000.000 US-Dollar Umsatz gemacht haben*, oder mit Augen-Schminke 10.100.000.000 US-Dollar Umsatz im Jahr 2007, womit es gleich-auf-gleich mit Lippen-Kosmetik ist, gleich hinter den 13.200.000.000 US-Dollar Umsätzen für Gesichts-Kosmetik². Schminke im Wert von über 40 Billionen Dollar, die in einem Jahr auf unseren Gesichtern ihren Platz findet. Mir fallen da ein paar andere Dinge ein, die man mit dem Geld sonst noch hätte anstellen können).

Insofern ist es also nicht verwunderlich, wenn wir uns beständig mit anderen vergleichen. Es ist einfach Teil der menschlichen Natur – wir haben quasi einen eingebauten “Potentieller-Partner-Detektor” der beständig gegen andere abgleicht um zu schauen: besser? schlechter? gleich?

Vergleichen weil wir (wirklich) unzufrieden mit unserem Leben sind

Wenn jemand sich jedoch schon zwangshaft mit anderen vergleicht – und das einen wirklich martert… dann ist es wahrscheinlich mehr als nur die Biologie. Die Biologie ist da, so oder so, und wer nicht in Dalai-Lamaschen spirituellen Sphären schwebt, der wird irgendwo einen kleinen HSW-Komplex (Höher-Schneller-Weiter-Komplex) in sich tragen. Nur wenn der HSW-Komplex zu sehr in den Vordergrund rückt… dann fehlt es an einem Ausgleich für die biologische Programmierung.

Und der beste Ausgleich für unsere biologische Programmierung ist ein glückliches Leben. Wenn Du mit dem Leben das Du führst glücklich bist – dann taucht der HSW-Komplex ab und zu mal kurz auf… aber es gibt so viele Dinge in Deinem Leben, die wichtiger und schöner sind, dass Du Dich nie allzusehr damit befasst.

Aber wenn Du unzufrieden mit Deinem Leben bist… vielleicht, weil Du schon Dein Leben lang reisen wolltest, aber nie wirklich weggekommen bist… weil Du Tischler werden wolltest, aber auf den gutgemeinten Rat Deiner Eltern gehört hast und doch Filialleiter bei der Sparkasse geworden bist… weil Du heimlich Männer liebst, aber trotzdem eine Frau geheiratet hast… weil Du weißt, dass Du zu mehr fähig bist, aber trotzdem Deine sichere, mittelmäßig bezahlte Stellung behälst… weil Du weißt, dass es eine bedeutsame Aufgabe in Deinem Leben gibt, aber Du trotzdem weiter als Telemarketer anderen Leuten Lotterielose aufschwatzt…

… dann hast Du kein Gegengewicht für deinen biologischen HSW-Komplex. Und er kann Dich völlig aus der Bahn werfen.

Und das ist an sich nichts Schlechtes. Es ist einfach ein Signal, eine Botschaft. Eine Botschaft, die Dir sagt: Zeit was zu ändern! Wenn Du darauf hörst, dann beginnt ein neues Abenteuer – eine Entdeckungsreise, die jeden Fantasy-Film alt aussehen lässt. Und Du wirst einen Schatz entdecken, der Dich viel glücklicher machen wird, als ein Lottojackpot oder ein Ölfeld.

Woher weiß ich das? Der HSW-Komplex hat lange genug an mir selbst genagt. Und erst, nachdem ich vor etwa einem Jahr aus Deutschland ausgewandert, und in Thailand ein neues Leben mit meiner Freundin aufgebaut habe, hat der HSW-Komplex seine Macht über mich verloren. (Nicht weil Deutschland schlecht ist, sondern weil es ein Traum von mir war, nach Thailand zu gehen).

Nicht, dass es etwas Schlechtes ist, Filialleiter bei der Sparkasse zu sein, als Telemarketer zu arbeiten, etc. Wenn Dir diese Dinge etwas bedeuten, und sie Dich glücklich machen, dann by all means – go for it! (Denn selbst wenn Du “versagst”, wirst Du dabei gewinnen – so wie Susan).

Was zählt ist: hör auf Deinen inneren Kompass. Wenn die Nadel ausschlägt, dann folge dem Pfeil. Und wenn sie nicht ausschlägt, wenn Du Dich in Deinem Leben zu sehr mit Dingen beschäftigst, die im Leben Deiner Träume eigentlich keinen Platz haben sollten, dann ist es Zeit Dein Leben neu zu gestalten.

Manche Menschen sind davon begeistert, anderen als Unternehmensberater dabei zu helfen erfolgreicher zu werden. Andere  teilen ihre Einsichten zum Thema Spiritualität und Weisheit. Andere lieben den Austausch von Ideen und Gedanken. Wieder andere lieben das Laufen. Und wieder andere die Entspannung und Gedankenkraft.

Was begeistert Dich?
Ramin

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Eigentumswohnung September 25, 2009 at 11:09

Dein Artikel ist wirklich toll. Man soll immer nur schauen was man kann und was man hat. Was man nicht hat, braucht man auch nicht unbedingt. Zumindest in diesem Land. Woanders ist eben anders, man braucht etwas, was hier an der nächste Ecke bekommen kann, wie eine Medizin für ein Kind- aber beispielweise mit Wohnungen (mein Bereich) da ist auch so, jeder will das schönste Haus im Land egal wie hoch man sich da verschuldet…das ist NO GO

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