Hilfsbereitschaft

Wie Du andere Menschen dazu bewegst Dir zu helfen

20.09.2009

Manchmal brauchen wir die Hilfe anderer Menschen um etwas zu erreichen. Manchmal macht es die ganze Sache einfach nur so viel einfacher und leichter, dass es Unsinn wäre, die Hilfe anderer nicht an Anspruch zu nehmen. Und oft kannst Du dank der Hilfe anderer etwas, das Du “auf eigene Faust” nur mittelmäßig zustande bringen würdest zu etwas Großartigem machen.

Nur – wie machst Du das? Wie kannst Du andere Menschen dazu bewegen Dir zu helfen? Schließlich haben wir alle schon genug zu tun, unsere Zeit ist kostbar.

Jedem von uns ist schonmal geholfen worden, und jeder von uns hat schonmal geholfen. Und jeder von uns hat schonmal um Hilfe gebeten, ohne sie bekommen zu haben. Und jeder von uns hat anderen schonmal seine Hilfe verweigert.

Die einfachste Methode herauszufinden, wie wir willige Helfer rekrutieren können ist also unsere eigenen Erfahrungen unter die Lupe zu nehmen.

Menschen sind zum Helfen da

Und die wohl wichtigste Erkenntnis ist: Menschen wollen Dir helfen.

Die Welt ist voll von Menschen die helfen wollen. Sogar egoistische Leute wollen anderen helfen.

Denn es fühlt sich gut an zu wissen, das wir anderen geholfen haben. Es macht glücklich, anderen zu helfen. Jeder will glücklich sein, jeder weiß wie gut es sich anfühlt anderen zu helfen, und deshalb will jeder anderen helfen.

Ich habe schon so manches mal Geld für etwas ausgegeben, und es im Nachhinein bereut – zum Beispiel, weil etwas anderes besser gewesen wäre. Aber ich habe noch nie jemand anderem geholfen und es im Nachhinein bereut. Selbst dann, wenn ich dabei auf die Nase gefallen bin und jemand meine Hilfsbereitschaft ausgenutzt hat, habe ich es nicht bereut, denn diese Menschen haben mir sehr günstig eine sehr wertvolle Lektion zum Thema Menschenkenntnis erteilt.

Aber wenn tatsächlich jeder so gerne anderen hilft – warum gibt es dann noch so viel Ungerechtigkeit und Leid?

Warum gewähren uns andere manchmal nicht die Hilfe, die wir uns von ihnen erhofft haben?

Meistens, weil wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben.

Hilfsbereitschafts-Killer

Ja, andere Menschen helfen gerne. Aber sie lassen nicht gerne alles stehen und liegen, um anderen zu Hilfe zu eilen. Wenn Du Hilfe von anderen willst, dann mach es ihnen so einfach wie möglich, Dir zu helfen.

Ich werde oft gefragt: “Ich will meine Internetseite machen, kannst Du mir ein bisschen dabei helfen?”.

Und während ich in der Vergangenheit immer gern gewillt gewesen bin, Feedback zu geben, bin ich es heute meist nicht mehr. Denn meiner Erfahrung nach sind solche Anfragen oft ein Fass ohne Boden. Ja, ich schaue mir die Webseite an, ja, ich mache konkrete und spezifische Vorschläge, wie sie die Seite optimieren können… und dann kommt ein neues Arsenal an Fragen wie ein Kugelhagel angeschossen. Und wenn ich dann sage: “Am besten Du liest mal selbst nach, oder findest jemanden, der das für Dich machen kann”, verdampft plötzlich die Dankbarkeit für das erste Feedback (für das sie anderswo hunderte, und manchmal tausende von Euro bezahlen müssten). Stattdessen kommen dann manchmal schnippische Bemerkungen. Zum Beispiel: “Na, ich dachte Du wolltest mir helfen und nicht mir was verkaufen.” (Was ich dann schon amüsierend finde… wenn jemand erwartet, dass man ihm kostenlos dabei hilft, eine Seite aufzubauen, mit der er später Geld verdienen will).

Undankbarkeit und überhöhte Ansprüche stechen natürlich besonders ins Auge, wenn wir am “Gebenden” Ende sind.

Fassen wir uns also an die eigene Nase. Bist Du dankbar dafür, wenn jemand anders Dir hilft, oder ziehst Du daraus für Dich dann den Schluss, dass Du von dieser Person immer kostenlose Hilfe bekommen wirst?

Es ist ein lobenswerter Brauch, wer was Gutes bekommt, der bedankt sich auch.
– Wilhelm Busch

Hilfsbereitschaft hervorkitzeln

Wenn Du willst, dass andere Dir helfen, dann mach es so einfach wie möglich.

Hilfsorganisationen sind meister darin, Hilfsbereitschaft zu wecken. Oft drücken sie ein bisschen auf die Mitleidsdrüse – ein Kind, dem man die Armut ansieht. Oder sie zeigen ein Kind mit einem Buntstiftbild: “Dank 30 Euro im Monat kann Alioume jetzt lesen und schreiben. Schenken auch Sie einem Kind eine Chance im Leben.”

Aber so gut wie nie sieht man ein Bild von einer Hungersnot, oder einem Flüchtlingscamp – das ganz große Elend wird bewusst vermieden. Warum? Weil es zu überwältigend ist. Einem Kind für 30 Euro im Monat eine bessere Zukunft schenken – das ist etwas, womit wir umgehen können. In unserem Kopf ziehen wir den Schluss: “Ja, das ist machbar. Das ist ein Problem, das ich lösen kann.”

Aber eine Hungersnot, ein niedergebranntes Dorf, ein Massengrab – und die Schotten machen dicht. Einfach, weil das Problem zu groß ist. Es lässt sich nicht einfach lösen.

Mach das Helfen einfach. Und zeig demjenigen, dessen Hilfe Du Dir wünscht, dass es eine spezifische Aufgabe ist, ein klar definiertes Problem. Denn damit kannst Du ihm ein Erfolgserlebnis schenken. Bei einem klar definierten Problem ist der Helfer erfolgreich, wenn das Problem gelöst ist. Und Erfolg fühlt sich gut an. Aber wenn Du es zu vage, zu generell, zu unkonkret hälst… dann wird sich dieses Erfolgsgefühl nie so richtig einstellen können. Und die Hilfsbereitschaft verpufft, weil der Helfende bald das Gefühl bekommt: “jetzt helfe ich und helfe, und helfe, und es macht ja doch keinen Unterschied.”

Oftmals weiß man auch nicht: wieviel Hilfe kann ich von dieser Person bekommen? Und das kann ein Grund sein, weshalb man es vage hält. Stattdessen suche Dir dann einfach eine Kleinigkeit aus, bei der Du um Hilfe bittest. Wenn Du die Hilfe bekommen hast – wunderbar. Das heißt nicht, dass Du von dieser Person jetzt nie wieder Hilfe bekommen wirst. Du kannst einfach nochmal fragen – wieder bei einem ganz spezifischen Problem.

Es ist wie wenn Du einen Partner für’s Leben suchst. Du gehst nicht durch die Stadt und sprichst wildfremde Menschen an und sagst: “Magst Du mich heiraten?”

(Zumindest hoffe ich, dass Du das nicht tust).

Selbst wenn Du auf die Tour jemanden finden würdest, ist das vermutlich niemand, den Du heiraten solltest. Stattdessen fängst Du mit kleinen, überschaubaren Mini-Schritten an. Es kann ein Lächeln sein, ein Spruch, ein Scherz, eine Frage… und dann folgen viele weitere Mini-Schritte, bevor Du die “große Frage” stellst.

Und wenn Du ein Haus verkaufen willst… dann läufst Du auch nicht durch die Straßen mit einem Vertrag in der Hand und sagst: “Entschuldigen, würden Sie bitte mal den Kaufvertrag für mein Haus hier unterschreiben?”

Wenn Du also Hilfe willst… dann schnür ein unwiderstehliches “Hilfspaket” und mach es anderen so einfach wie möglich Dir zu helfen. Das setzt vorraus, dass Du tatsächlich auch selbst ein bisschen Zeit und Mühen darein investierst, es so einfach wie möglich zu machen – aber wenn es diese Zeit und Mühe nicht wert ist, dann ist es auch sonst nicht wert um Hilfe zu bitten.

Foto: Sanja Gjenero

{ 3 comments… read them below or add one }

the incredible Leitman September 22, 2009 at 12:35

Sehr guter Beitrag und gut geschrieben 😀

Leider auch zu wahr -.-
Ich bin selbst Softwareentwickler, wie oft höre ich von Leuten “Kannst du dir vl einmal meinen Computer anschauen, da funktioniert etwas nicht” bis es dann irgendwann so weit geht, dass ich Software und Betriebssysteme kaufen und aufsetzen soll, neue Hardware organisieren und Programme erstellen muss… Und natürlich, wenn ich ablehne gibts schnippische Bemerkungen, Undankbarkeit und Groll 🙁

Ich selbst scheue davor zurück, andere um Hilfe zu bitten -.-

Reply

Ramin September 22, 2009 at 13:20

Hey Leitman,

danke für Deinen Kommentar.
lol – ja, ich glaube jeder der irgendetwas mit Computern zu tun hat ist da besonders betroffen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Zahnärzte das gleiche Problem haben. (Zum Beispiel beim gemeinsamen Abendessen: “Du, Erich, seit ein paar Wochen zieht’s da hinten bei mir im Eckzahn immer so wenn ich was Süßes ess, kannst Du da grad mal schauen?”)

Die Scheu beim um Hilfe bitten kenne ich auch (wahrscheinlich die meisten), aber ich denke manchmal ist sie es Wert überwunden zu werden 🙂 Man kann sich ja immer wieder mal irgendwie revangieren 🙂

Viele Grüße,
Ramin

Reply

milli November 23, 2009 at 12:34

Hey Ramin,

vielen Dank fuer den Beitrag. Ich kenne das nur zu gut. Ich bin selbst Webdesigner und Freunde fragen ob man ihnen ein wenig bei ihrer Seite helfen kann und dann endet man in einem Riesenprojekt und am Ende kommen dann auch noch 1000 Kommentare und Aenderungen und man denkt sich “Nun ja ein Blumenstrauss waere schon nett, anstelle einer email, die sich hoeflich bedankt” und mit einmal der zuvor stetige Kontakt abnimmt… Oft wissen die dich um Rat betenden nicht, dass du Stunden und Naechte damit verbringst ihren Traum von Website zu verwirklichen und denken das waere ja ein Kinderspiel.

Nun ja aber ich fande deinen Text sehr hilfreich, da ich gerade dabei bin ein Konzept fuer eine Hilfsorganisaton zu entwickeln und es ist sicherlich der beste Weg es auch hierbei so einfach wie moeglich zu gestalten. Denn man will ja dass die Menschen spenden und nicht genervt reagieren…

Vielen Dank und viele Gruesse!

Reply

Leave a Comment

Previous post:

Next post: