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Weniger ist mehr

18.09.2009

Natürlich ist es schön Wahlmöglichkeiten zu haben. Aber manchmal haben wir so viele Wahlmöglichkeiten, dass wir vor lauter Entscheidungen treffen garnicht mehr dazu kommen, das zu tun, was wir eigentlich machen wollten.

Einen Brief schreiben?

Microsoft Word hochfahren und erstmal nach einer schönen Vorlage für den Brief schauen. Nachdem man 28 verschiedene Vorlagen verglichen und sich dann für eine entschieden hat, passt man sie noch an, indem man die vorgegebenen Felder ausfüllt.

Dann probiert man noch ein wenig mit Schriftarten rum, und natürlich Schriftgrößen. Anschließend wechselt man den Ansichtenmodus, stellt die Druckränder ein, sucht im Internet nach einer schöneren Formulierung oder einem verwandten Wort…

… und nach eineinhalb Stunden muss man dringend eine Pause machen, speichert den Brief ab, und macht erstmal was anderes.

Das ist natürlich ein übertriebenes Beispiel. Aber wie oft verbringen wir zum Beispiel fünf Minuten mit solchem Firlefanz?

Texte schreibe ich am liebsten in NoteTab – das ist so ähnlich wie Notepad, was meine zweite Wahl wäre. Weil es einfach und schnell geht.

Und das gleiche Phänomen gibt es überall. Barry Schwartz hat in “The Paradox of Choice” viel darüber gesprochen. Wenn wir uns mit zu vielen Möglichkeiten konfrontiert sehen, dann sind wir nicht nur eher geneigt, garnichts zu tun – sondern wir sind im Durchschnitt auch unzufriedener mit unserer Wahl im Nachhinein.

Wenn Du manchmal das Gefühl hast, nicht genug Zeit zu haben, dann hilft es oft schon, zu schauen: wie kann ich meine Aufgaben “abspecken”? Ja, ein Brief der in Notepad geschrieben ist sieht sicher bei weitem nicht so schön aus wie ein schöner mit Word formatiert. Er erinnert an vorsintflutliche Schreibmaschinen-Briefe. Aber wenn Du in Deinem Brief etwas zum Ausdruck bringen willst, kannst Du das auch durch Deine Worte tun.

Wenn Du gesünder werden willst – dann fang einfach mit Deiner Atmung an, anstatt noch einen Gesundheitsratgeber zu kaufen.

Wenn Du glücklicher werden willst – dann lächel den Menschen, die Du begegnest einfach häufiger zu, anstatt noch ein Seminar zum Thema Persönlichkeitsentwicklung zu besuchen.

Wenn Du mehr Geld willst – dann fang an Dir ein kleines Nebeneinkommen aufzubauen, oder vermarkte Dein Produkt oder Deine Dienstleistung besser, anstatt noch ein Buch zum Thema Geld verdienen zu kaufen.

Wenn Du Liebe suchst – dann geh raus und sprich mit mehr Menschen, anstatt auf irgendwelchen Flirtseiten im Internet rumzuhopsen.

Natürlich lässt sich nicht jedes Problem mit so einfachen Ratschlägen beheben. Aber oftmals ist es besser, einen einfachen Rat zu befolgen, der nicht ganz so effektiv ist, als eine komplizierte Methode zu finden, die man eh nicht anwendet (und die deshalb garnicht wirkt).

{ 4 comments… read them below or add one }

Jürgen September 18, 2009 at 20:00

Hi Ramin, schon wieder so ein guter Artikel. Ich kann hier alles unterschreiben….
Weniger ist immer mehr. Das habe ich für meinen Fall erfahren als meine Exe gegangen war. Das Haus wurde merklich leerer. So war gleichzeitig aber auch mehr Platz. Da ich eh kein Freund von Nippes bin, fühlte ich mich viel freier.

Heute braucht jeder eine Coach o.ä. Die Damen und Herrn verdienen dabei nicht schlecht. Für was das gut sein soll, frage ich mich heute noch. Mir wurde einmal angeboten einen Coach zu nutzen. Klar ging ich hin. Gebracht hat es mir garnichts. Was mir da erzählt wurde, wusste ich selbst. Naja, ist wohl der Zeitgeist….
Dir ein schönes WE.

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Hannes September 19, 2009 at 02:34

Das sind wirklich wahre Worte. In der heutigen Welt gibt es für alles eine Lösung – nein, es gibt für alles ganz viele verschiedene Lösungen. Es gibt so unglaublich viele Möglichkeiten, so viel zu viel, was uns Menschen beschäftigt.
Weniger ist manchmal wirklich mehr – wobei mehr noch immer besser ist als gar nichts.

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Ramin September 21, 2009 at 04:31

Hi Jürgen,

ja, manchmal kann so ein “Verlust” ein Befreiungsschlag sein. Ein Mönch hier hat mir mal gesagt: “Die Menschen glauben immer, dass ihnen all die Dinge gehören, die sie sich gekauft haben. Aber in Wirklichkeit gehören sie den Dingen, denn sie müssen sich darum kümmern, sie müssen sie irgendwo unterbringen, sie müssen sich Sorgen darum machen, dass es nicht geklaut wird, sie müssen sie putzen…” Und da ist wohl wahrlich was dran.

Was Coaching angeht bin ich schon ein Befürworter – aber es kommt darauf an, wer einen da coacht. Habe selbst schon viel vom Coaching profitiert, einfach weil ein guter Coach helfen kann, Fehler schneller auszubügeln, und schon am Anfang der Reise kleine Kurskorrekturen vornehmen kann, damit man nicht zu weit vom Weg abkommt 🙂
Nur gibt’s halt auch viele Coaches, die Coach geworden sind weil sie sich selbst gern reden hören, nicht, weil sie anderen helfen wollen (und können).

Viele Grüße,
Ramin

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Ramin September 21, 2009 at 04:32

Hi Hannes,

stimmt – mehr ist immernoch besser als garnichts. Wir brauchen wohl einfach eine gute “Sortierstrategie” um aus den vielen Lösungen eine auszusuchen.

Viele Grüße,
Ramin

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