Ärzte

Gott sei Dank, dass ich kein Arzt geworden bin

13.09.2009

Bestimmt hast Du auch mal den einen oder anderen Verwandten gehabt, der Dich gerne zum Arzt hätte heranwachsen sehen. Ein schöner Dr. med. vorm Name, das ist doch was. Ansehen, Einkommen, Sicherheit…

Die Realität sieht meistens anders aus. Abgesehen von den Torturen des Medizinstudiums (irgendwo habe ich mal gelesen, dass kaum ein andere Studienfach so hohe “Burn-Out-Raten” hat wie die Mediziner), ist es auch sonst nicht immer das Zuckerschlecken, nach dem es manchmal aussehen mag.

In Australien wurde überarbeiteten Ärzten geraten, täglich 400 mg Koffein zu sich zu nehmen, gegen die Übermüdung. Denn eine Vereinigung hat bekannt gegeben, dass häufig Patienten sterben, weil überarbeitete Ärzte gezwungen werden bis zu 80 Stunden ohne Pause zu arbeiten.

Was? 80 Stunden arbeiten?

Und nachdem auf das Problem hingewiesen wird, rät man den Ärzten dazu, mehr Kaffee zu trinken? (Anstatt sich zu fragen, warum jemand 80 Stunden arbeiten muss…)

Nur damit wir das ganz richtig verstehen:

Jemand studiert für viele Jahre ein Fach, das wahrscheinlich das zermürbendste Fach der Welt ist…
… um dann einen Job zu bekommen, in dem er gezwungen wird 80 Stunden am Stück zu arbeiten…
… und wenn er sagt, dass es so nicht weitergehen kann, weil Patienten sterben, rät man ihm mehr Kaffee zu trinken um wach zu bleiben…

Sicher, 80 Stunden sind extrem. Aber auch in Deutschland ist das Arztsein kein Zuckerschlecken. (Wer glaubt, dass Arzt sein nicht so anstregend ist, der gehe einfach mal ins nächste Krankenhaus und spreche mit ein paar Ärzten über das Arztdasein…).

Glücklicherweise werden die meisten Menschen Ärzte, weil sie anderen helfen wollen, und sind sich ein Stück weit dessen bewusst, was sie da in Kauf nehmen.

Und sicher gibt es noch Ärzte, die in eigener Praxis arbeiten und tatsächlich die Freiheit arbeiten so zu entscheiden, wie es im besten Interesse ihrer Patienten ist (statt der Krankenkassen).

Und sicher – jeder der als Arzt tätig ist verdient den größten Respekt…

… aber Leute, die Ärzte um ihre Arbeit beneiden, und wollen, dass aus ihrem Sohnemann oder Töchterchen mal ein Dr. med. wird, sollte sich vielleicht erstmal mit ein paar praktizierenden Ärzten unterhalten.

Foto: Fernando AUDIBERT

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Jürgen September 15, 2009 at 02:16

Da bin ich eigentlich auch froh. Selbst ein niedergelassener Arzt, der auf dem Land ne Praxis hat, ist eigentlich nicht zu beneiden. Er kann mal 14 Tage die Praxis schließen oder ne Vertretung einstellen. Wenn er aber mal länger Urlaub machen möchte, um das viele Geld genießen zu können, laufen ihm die Patienten weg.
Bei der täglichen Arbeit in der Praxis ist der Feierabend auch stets unbestimmbar. Falls sie diesen Job machen, weil sie partout die Menschen heilen wollen bzw. gesund machen wollen, dann ist das ja ok. Tauschen möchte ich dennoch nicht…..

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Ramin September 15, 2009 at 08:01

Hi Jürgen,

hast Recht… und wenn man dann noch bedenkt, was ein Anwalt so verdienen kann, dann ist das wohl ein eindeutiges Anzeichen, dass irgendetwas nicht so ganz im Lot ist.

Viele Grüße,
Ramin

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