Post image for Tu was Du willst (oder: Berufsfindung für Leute denen ihr Leben was Wert ist)

Tu was Du willst (oder: Berufsfindung für Leute denen ihr Leben was Wert ist)

09.09.2009

In den letzten Wochen habe ich mit einer ganzen Reihe an Leuten gesprochen, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Einige sind gerade fertig mit der Schule, andere haben schon eine abgeschlossene Ausbildung oder Berufserfahrung, aber wissen: “DAS will ich nicht mein Leben lang machen!”

Auch wenn man sich in so einer Situation vielleicht etwas verloren und orientierungslos vorkommt… eigentlich ist es doch etwas Beneidenswertes. Denn Du hast nun Gelegenheit verschiedene Dinge auszuprobieren, und Dich selbst besser kennenzulernen. Die Chance zu entdecken, was Dich wirklich begeistert.

Wichtig ist in so einer Situation dann vor allem, dass Du Dich auf den Weg machst, auch wenn Du mal nicht weißt wohin er Dich führt.

(Ich habe mal von einem Afrikaner gelernt, wie man Spielzeug aus Müll bastelt. So “richtig” gelernt – jeden Tag viele Stunden mit Müll hantiert und rumgewerkelt, und das über Jahre hinweg. Warum? Weil es eine erfolgversprechende Karriere war? Aehm… Weil es mich begeistert hat. Die meisten Menschen werden sich jetzt an die Stirn tippen und sagen: “na, da fallen mir aber spaßigere Wege ein Zeit zu verschwenden.” Aber für mich war das keine verschwendete Zeit, auch wenn es mich nicht direkt in meinem beruflichen Fortkommen gefördert hat. Was ich in dieser Zeit gelernt habe, ist für mich mehr wert gewesen als ein MBA von Harvard).

Die meisten Menschen entscheiden jedoch nach ganz anderen Kriterien. Sie entscheiden meist “vernünftig”. Oder sie entscheiden sich für den Berufszweig, der ihnen am meisten Geld einbringen wird, oder die größte Sicherheit verspricht. Oder, wenn sie selbst nicht wissen, was sie tun wollen, dann folgen sie meist den gutgemeinten Ratschlägen der Eltern.

(Ich hoffe wenn ich selbst mal Papa bin, dass mein Kind das hier nicht liest, sondern schön meinen Ratschlag befolgt 😉 )

Beruf & Berufung

Aber wenn Du etwas findest, dass Du wirklich gerne tust, und das Dich begeistert und glücklich macht, dann wirst Du auch Wege finden damit Geld verdienen zu können. Manchmal wird es etwas länger dauern. Aber das ist Zeit, die Du nutzen kannst um einer der Besten in Deinem Fach zu werden.

(Als Student musst Du mindestens vier Jahre lang lernen, und Dich dabei mit Nebenjobs über Wasser halten… wenn Du Dich vier Jahre lang einem Thema, einer Fähigkeit widmest die Dich begeistert, dann fällt mir beim besten Willen nichts ein, womit Du nicht auch Geld verdienen könntest).

Der Unterschied zwischen jemandem, der tut was er will, und jemandem, der tut was er “sollte”, ist meistens, wann es schwer wird. Für jemanden der tut was er will ist es meist am Anfang schwer… für jemanden der tut was er sollte, ist es meist am Anfang leicht – aber mit jedem verstreichenden Jahr wird es dann schwerer in einem Job festzustecken, der einen unzufrieden macht.

Man kann es sich auch einfach machen

… und dann gibt es noch jene Leuten, die mit einem stumpfen Dasein ganz zufrieden ist, solange der Arbeitsplatz gesichert ist. Ihnen geht es nur darum, genug Geld nach Hause zu bringen, um sich einen neuen Flachbildfernseher zu kaufen, mit Bier und Snacks davorzusetzen und ins Seifenopern-Koma zu verfallen, sich alle zwei Jahre ein neues Auto zu leasen um Nachbarn, Familie und Bekannte zu beeindrucken… und die Zeit dazwischen mit dem Studieren der Klatschspalten verbringen. Dann haben sie nämlich immer etwas Spannendes zu erzählen, und merken nicht, wie trostlos ihr eigenes Leben ist. Die Möglichkeit steht Dir auch noch offen.

Update vom 22.September 2009: Heute hat auch die ZEIT darüber geschrieben, unter dem Titel Berufswahl: In den Fußstapfen der Eltern. Und auch die ZEIT ist der Meinung, dass die gutgemeinten Ratschläge der Eltern nicht unbedingt jene sind, die dem persönlichen Glück am förderlichsten sind.

Previous post:

Next post: