Wortschatz

Wortschatz erweitern – ist das wirklich so wichtig?

30.08.2009

Viele Leute möchten ihren Wortschatz erweitern, damit sie besser kommunizieren können. (Und, heimlich auch oft: weil sie damit beeindrucken wollen).

Aber ist ein großer Wortschatz wirklich so wichtig?

Ich behaupte nein.

(Es sei denn Du bist Kreuzworträtselfanatiker).

Immer wieder sind mir Menschen begegnet die mit einem sehr begrenztem Wortschatz trotzdem hervorragende Kommunikatoren gewesen sind.

(Ein Beispiel: hast Du schonmal einen kommunikativen Ausländer erlebt, der erst seit relativ kurzer Zeit – etwa 2 Jahre – in Deutschland ist? Ich habe schon viele kennengelernt, die sehr erfolgreich mit anderen Menschen umgehen.)

Und ich kenne viele Leute mit einem enorm großen Wortschatz, die miserable Kommunikatoren sind. (Gerade weil sie ständig zu Worten greifen, die außer ihnen und einem Duden-Autor keiner kennt).

Ich erinnere mich an einen guten Freund, mit dem ich vor einigen Jahren ein kleines Unternehmen gestartet habe. Damals haben wir die Texte für unsere Webseite geschrieben. Ich wollte immer Fachworte gebrauchen, um unsere Kompetenz zu untermauern. Er wollte immer eine möglichst einfache Sprache, und kurze Sätze. Und tatsächlich hat er mich von den Vorzügen einer einfachen, simpel gehaltenen Sprache überzeugt – mit einfachen, simplen Worten.

Die Kunst ist nicht, in großen, komplizierten Worten zu sprechen, sondern mit einfachen Worten auch komplexe Zusammenhänge klar und verständlich darzulegen.

(Und das ist viel schwerer als sich in mit Adjektiven gespickte Bandwurmsätzen zu ergehen. Eine Neigung, die ich leider auch habe).

Die Worte, die wir bedeuten sind meistens nicht so wichtig wie wir denken.

(Höre nur mal Politikern zu – so sprechen Menschen die sorgfältig jedes Wort abwägen, einstudieren und vorgeschrieben bekommen. Macht es Spaß denen zuzuhören? Ist es interessant?)

Viel wichtiger ist die Art wie wir es sagen.

Bestimmt hast Du schon von Albert Mehrabian gehört. Und wenn Du nicht von ihm gehört hast, dann hast Du schon von seiner Studie gehört. Er hat herausgefunden, dass nur 7% dessen was wir kommunizieren auf verbaler Ebene mitgeteilt wird – also über die Auswahl der Worte. 38% wird über unsere Tonalität transportiert, also wie wir es sagen. Und 55% über unsere Körpersprache.

Wenn Du also ein besserer Kommunikator werden willst, wenn Du besser im Umgang mit anderen Menschen werden willst, dann wirst Du viel schneller viel mehr erreichen, wenn Du Deine Körpersprache und Deine Tonalität “trainierst”, als wenn Du Deinen Wortschatz erweiterst.

Natürlich ist es gleichzeitig auch gut, Deinen Wortschatz zu erweitern. Aber selbst wenn Du Deinen Wortschatz um 10% vergrößerst, dann verbessert das Deine Gesamtkommunikation nur um 0,5%. Wenn Du hingegen Deine Körpersprache um 10% optimierst, dann verbessert das Deine Gesamtkommunikation um 5,5% – mehr als das Zehnfache.

Und ja – diese Prozentangaben sind nicht absolut, und sie unterliegen großen Schwankungen je nachdem in welcher Situation Du Dich befindest. Aber sie sind gute Richtwerte.

Körpersprache verbessern heißt nicht, dass Du zum Schauspieler wirst. Im Gegenteil: Körpersprache verbessern heißt, dass Du lernst, Deinen Körper besser als Kommunikationsmittel einzusetzen. Oft denken Menschen: “Nein, ich will nicht schauspielern und manipulieren!”. Darum geht es auch garnicht. Stell Dir vor Du spielst Gitarre. Hast Du schonmal einen Gitarristen gesehen, der sagt: “Ich will nicht üben, da trainiert man sich nur was an, damit es schöner klingt!” Ich hoffe nicht. Dein Körper ist auch ein Instrument, und Du kannst lernen besser damit umzugehen und “schönere Melodien” zu spielen.

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