Mini-Abenteuer

02.06.2009

“Ein Leben voller Langeweile.” Das war seine Antwort auf meine Frage.

Es dauerte ich wenig, bis ich die Bedeutung dieser Worte gänzlich verstand. Doch je mehr ich darüber nachdachte, desto offensichtlicher wurde es.

Ja – die meisten Menschen führen ein Leben voller Langeweile. Sie machen sich selbst zu einem kleinen Rädchen im Getriebe, und dann drehen sie sich, und drehen sie sich, und drehen sie sich im Kreise.  Immer gleichbleibenden Kreisen. Wen wundert’s, dass es langweilig wird? Unerträglich langweilig.

Deshalb hocken viele Menschen stundenlang jeden Tag vorm Fernseher. Spielen wie besessen an einer X-Box oder Playstation (und unterwegs gibt’s Handyspiele).  Deshalb surfen sie wahllos im Internet herum und lesen Klatschmagazine (Boris Becker hat schon wieder eine Neue?).

Um für ein paar Augenblicke ihrer eigenen Langeweile zu entkommen.

Aber das Leben bietet unbegrenzt viele kleine Abenteuer ein, die Langeweile schon im Keim ersticken. Ich nenne sie “Mini-Abenteuer” – und sie bestehen größtenteils darin, die Welt mit anderen Augen zu betrachten.

Vorgestern war ich mit einem guten Freund aus Deutschland essen, und während wir dort saßen schlug das Wetten plötzlich um: von einem heißen, sonnigen Tag auf Monsunregen. Es schüttete wie aus Eimern, und ein Baum brach unter den Gewicht des Wassers zusammen und stürzte mit einem lauten Knall auf’s Dach.

faszinationMein Freund aus Deutschland war ganz begeistert und bekam den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu. Ja – er ist schon um die ganze Welt gereist und hat derlei schon oft erlebt. Aber inmitten dieses Naturschauspiels, wenn die Kräfte, die uns tagtäglich umgeben plötzlich so fühlbar für uns werden, da packte ihn die Faszination doch wieder.

Schließlich verließen wir das Restaurant und wurde von einem freundlichen Helfer mit einem ausrangierten, umgebauten Obstauto zur Hauptstraße gefahren. Doch bald schon zogen wir die Schuhe aus und sprangen barfuß ins Wasser und machten uns so voran. Unser Fahrer schüttelte lachend den Kopf – verrückte Farangs (Ausländer) sagte er und wünschte uns viel Spaß.

Und den hatten wir. Und das ist genau der Punkt um den es hier geht: scheinbare Unannehmlichkeiten (“schlechtes Wetter”) in Mini-Abenteuer zu verwandeln und Spaß dabei zu haben. Denn jeden Tag Bungeejumping geht auch nicht.

{ 3 comments… read them below or add one }

gabaretha June 3, 2009 at 07:25

Lieber Ramin,
ganz meine Meinung: die spannendsten Geschichten schreibt das Leben. Weder ein Autor noch Drehbuchschreiber kann so viel grenzenlose Phantasie entwickeln, wie der ganz normale Alltag.
Allerdings wär so ein Monsunregen für mich ganz und gar nicht alltäglich 😉 das finde ich schon mit Bungee-jumping vergleichbar.
Tolles Video!
Ich wünsche Dir ein ausgeglichenes Maß an Sonnenschein und Regen, ganz wie es Dir gefällt.
Viele liebe Grüße,
besser und besser,
Gaba

Reply

Hannes June 8, 2009 at 09:53

Jeden Tag Bungee-Jumping wäre wirklich zuviel. Aber hin und wieder so ein kleines Abenteuer im Wasser, das hat was! Auch wenn bei euch der Regen ja deutlich intensiver ist, als er hier in Deutschland dann ist, wenn ich ihn mal laufend genieße.

Reply

DasDu June 8, 2009 at 17:30

Ich bin früher bei Regen immer mit einem Freund raus in den Park fahrradfahren – wir waren (fast) die einzigen im Park, und es gibt kaum bessere Gelegenheiten sich auszutoben. Da kann ich Dich gut verstehen 🙂

Reply

Leave a Comment

Previous post:

Next post: