Wie Du der Versuchung widerstehst

Wie man der Versuchung widersteht war schon in der Bibel ein zentrales Thema

21.08.2009

Gestern habe ich darüber Berichtet wie ich Kanum Bang Sangkaja zum Opfer gefallen bin. Kanum Bang Sangkaja ist ein grün dampfendes, thailändisches Monster, bzw. eine Nachspeise, die man nach Möglichkeit vermeiden sollte.

Deshalb geht es heute um das Thema: Wie kannst Du der Versuchung widerstehen? Der Versuchung, Dinge zu tun (oder zu essen), von denen Du weißt, dass Du sie besser nicht tun (oder essen) solltest?

Denk mal darüber nach, wie viele Versuchungen gibt es in Deinem Leben?

Die Versuchung zu rauchen, zu trinken, jemand anderem die Kleider vom Leib zu reißen, jemand anderem böse Worte (oder einen Stein) an den Kopf zu werfen, etwas zu kaufen, das Du Dir nicht leisten kannst, einem unangenehmen Gespräch aus dem Weg gehen, mit einer kleinen Notlüge einer Konfrontation aus dem Weg gehen, die Verlockung in der Spielhalle oder beim Lotto Dein Glück zu probieren, morgens im Bett liegen bleiben statt zur Arbeit zu gehen, Fernsehen zu gucken statt das Geschirr zu spülen, fremdzugehen wenn sich die Gelegenheit ergibt, Deinen Computer mit einem Vorschlaghammer all seine Fehlermeldungen heimzuzahlen, Deinen Jogurt mit Honig durch Vanilleeis mit Schokostreuseln zu ersetzen, und, und, und… die Liste lässt sich endlos fortführen.

Noch dazu kommt, dass wir beständig irgendwelche Unternehmen versuchen uns mit Werbebotschaften zu verführen.

Sicher gibt es für jede Art von Versuchung eine ganz eigene “Widerstehungs-Strategie”, aber anstatt für jede mögliche Versuchung eine Strategie aufzulisten, bekommst Du hier “Meta-Strategien”, die Dir helfen, das auf jede Versuchung anzuwenden, die sich Dir stellt.

Erkenne: Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach

Jeder von uns kann in Versuchung geführt werden. Jeder von uns hat Begierden, denen es sich lohnt zu widerstehen. Das ist völlig normal und in Ordnung, und bedeutet nicht etwa, dass Du schlecht, oder schwach bist, sondern einfach, dass Du Mensch bist.

Viel zu viele Leute machen sich selbst Vorwürfe und fühlen sich schuldig, weil sie Begierden haben, die sie nicht haben wollen. Sich selbst zusätzlich zu den Begierden noch schlechte Gefühle zu machen hilft nicht weiter. (Darüber habe ich schonmal geschrieben in Gute Entscheidungen auf der Basis schlechter Gefühle).

Stattdessen, fühl Dich trotzdem gut – Du kannst Dich ja zum Beispiel darüber freuen, dass sich Dir wieder eine neue Gelegenheit eröffnet hat. Die Gelegenheit ein kleines bisschen stärker und weiser zu handeln.

Trommel “Deine Leute” zusammen

Das sind die Leute, die mit Dir durch Dick und Dünn gehen, und Dir zur Seite stehen. Wenn es eine Verlockung gibt, der Du immer wieder erliegst, dann sprich einfach mit Deinen Leuten darüber. Die können Dir bestimmt weiterhelfen.

Natürlich kann niemand für Dich der Versuchung widerstehen – das musst Du immer selbst tun. Aber Sie können Dir Tipps geben, was Du tun kannst, und noch wichtiger: Sie können Dir die Kraft geben, der Versuchung zu widerstehen, indem Sie Dich erinnern, checken, ablenken, und, und, und.

Fokussiere Dich auf das was wirklich zählt

Bestimmte Dinge in Deinem Leben sind enorm wichtig für Dich. Die Liebe Deines Partners, gute Freundschaften, etwas zu tun das Dir etwas bedeutet, Deinen Beitrag zu einer besseren Welt leisten, eine Familie aufbauen, Geld verdienen, Karriere machen, Erleuchtung finden, einen Porsche bevor Du 25 bist, gesund werden, ein Waschbrettbauch – ganz egal WAS es ist, es gibt irgendetwas in Deinem Leben, das Dir wirklich etwas bedeutet. Das nächste mal, wenn Du kurz davor bist Dich verleiten zu lassen, ruf Dir einfach in Erinnerung worauf es Dir wirklich ankommt.

Beispiel: Das nächste mal, wenn Dich Schokoladengelüste überkommen und Du schon fast davor bist, eine Packung aufzureißen und wegzumampfen, denk an Deine Karriere.

Das mag für manchen absurd scheinen (“Was hat denn meine Karriere mit einer Tafel Schokolade zu tun?!”). Aber sieh es mal so: “Hilft es mir, wenn ich jetzt diese Schokolade runterschlinge, in irgendeiner Weise weiter mit meiner Karriere?” und dann frag Dich: “Wenn ich dieser Verlockung jetzt widerstehe, hilft mir das in irgendeiner Weise weiter mit meiner Karriere?”.

Du wirst feststellen, wenn Du wirklich nachbohrst: ja, es hilft Dir weiter mit Deiner Karriere, denn Du “trainierst” damit Deinen Disziplin-Muskel.  Und wenn Dein Disziplin-Muskel stärker ist, dann wirst Du auch in Deinem Beruf disziplinierter sein, und zum Beispiel auch Aufgaben anpacken und prompt erledigen, die andere eher vor sich hinschieben. Außerdem stärkt es Dein Selbstbewusstsein, wenn Du weißt, dass Du jemand bist, der der Versuchung widerstehen kann.

Der Versuchung mit einem persönliches Mantra widerstehen

Manchen Menschen hilft ein persönliches Mantra. Im Grunde genommen ist es eine Variaten auf den vorherigen Punkt – sich auf etwas zu konzentrieren, was wirklich zählt. Das Mantra hilft einfach nur dabei, die Konzentration zu verstärken.

Ein Beispiel für ein Mantra könnte sein: “Ich kultiviere ein glückliches, gesundes Leben.” Oder aber: “Rudimaturisuriwuri.” Es ist im Grunde genommen egal – einzig und allein die Bedeutung, die Du mit den Worten verknüpfst zählst.

Im NLP gibt es sogenannte Anker, mit denen man Emotions-Zustände verknüpfen und abrufbar machen kann. Du kannst Dein Mantra zu einem solchen Anker machen, der einen Zustand triggert, in dem Du Versuchungen leichter widerstehen kannst.

Den heimlichen Verführern aus dem Weg gehen

Ein trockener Alkoholiker weiß, dass er in keine Bar gehen sollte. Wenn Du Deine Gummibärchengelüste unter Kontrolle bringen willst, dann mach einen Bogen um die Süßigkeitenabteilung des Supermarktes. Wenn Du zuviel Zeit vor der Glotze verbringst, dann verschenk Deinen Fernseher, oder pack ihn in einen Karton und lager ihn in Deiner Rumpelecke ab. Wenn Du das Rauchen aufgeben willst, dann kann es eine gute Idee sein, Deine Mittagspause mit anderen Leuten zu verbringen, wenn Du sonst mit den Rauchern abhängst.

Mit Ersatzbelohnungen Verlockungen vermeiden

Manchmal kann es helfen, das Objekt der Begierde durch etwas anderes zu ersetzen. Anstatt eine Tüte Chips kannst Du zum Beispiel eine Tüte mit Nüssen und getrockneten Früchten bei Dir tragen.

Mit Aufschieberitis der Versuchung widerstehen

Aufschieritis ist meistens nicht Gutes, aber Du kannst Aufschieberitis auch zu guten Zwecken einsetzen. Zum Beispiel kannst Du Deine Entscheidung aufschieben, ob Du der Versuchung erliegst oder nicht. Oftmals hilft es schon, wenn wir nicht dem ersten Impuls folgen und stattdessen einfach ein bisschen Zeit verstreichen lassen. Die Beleidigung, die Du jemandem an den Kopf werfen wolltest, stellt sich meistens nach fünf Minuten schon so verkorkst heraus, dass Du kein Verlangen mehr hast sie zu äußern.

Daniel Goleman, der Autor von Emotionale Intelligenz, hat zum Beispiel darüber geschrieben, dass Menschen, die momentanen Impulsen widerstehen können, und Belohnungen hinauszögern, erfolgreicher im Leben sind, als Menschen, die der Versuchung erliegen.

Der Marshmallow Versuch von Walter Mischel

Ich erinnere mich besonders an einen Versuch mit Vierjährigen. Vierjährigen wurde ein Marshmallow vorgesetzt, und es wurde ihnen gesagt, dass sie den Marshmallow jetzt essen können, oder noch ein bisschen warten und später dafür aber zwei Marshmallows bekommen.

Einige der Vierjährigen konnten sich nicht gedulden und wollten den Marshmallow sofort essen, auch wenn das hieße, dass sie dabei auf den zweiten Marshmallow verzichten müssten. Andere entschieden sich abzuwarten, und dafür zwei Marshmallows zu bekommen.

Viele Jahre später wurden die dann jugendlichen nochmal “getestet”. Wie erfolgreich sie in der Schule waren, wie es um ihre soziale Kompetenz stand, wie gut sie mit anderen umgehen und Freundschaften pflegen konnten.

Das Ergebnis? Diejenigen, die dem unmittelbaren Impuls widerstehen konnten schnitten deutlich besser ab, als diejenigen, die dem Impuls nachgegeben haben.

Schritt für Schritt

Das waren jetzt ein paar Strategien, die Dir helfen können Versuchungen zu widerstehen. Finde eine Versuchung, der Du immer wieder erliegst und entscheide Dich, dass Du ihr künftig widerstehen wirst. Und dann probiere die verschiedenen Strategien aus.

Finde heraus, was für Dich am besten funktioniert, und übertrage es dann auch auf andere Bereiche.

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