Du bist was Du tust

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15.08.2009

Wir haben (heimlich) einer bekannten von uns den Spitznamen “Miss Change” verliehen. Warum? Weil Sie ständig ihre Pläne ändert. Und wenn ich sage ständig, dann meine ich ständig.

Heute zum Beispiel: wir waren zum Essen verabredet um 15:00. Um 11 Uhr ruft sie an und sagt: “Tut mir leid, aber ich kann heute nicht, es geht mir nicht gut.”

Wir mussten lachen. Es war so absurd, und wir haben uns vorher schon gefragt: mal schauen, wieviele Versuche sie braucht, um mit uns essen zu gehen.

Denn am Donnerstag hatten wir schon eine Verabredung mit ihr. Die hatte sie vergessen.

Und am Montag auch schon. Da konnte sie jedoch nicht, weil… (ich weiß garnicht mehr, was der Grund war).

Nun könnte man meinen, dass sie einfach unsere Gesellschaft nicht schätzt, aber zu höflich ist, uns das ins Gesicht zu sagen. Allerdings kennen wir sie gut genug, um zu wissen, dass dem nicht so ist. Und noch dazu ging die Idee zum gemeinsamen Essen von ihr aus.

Bei einer Verabredung ist das noch lustig – aber sie ist in allen Bereichen ihres Lebens so.

Sie hat eine kleine, aber im Kleinen erfolgreiche Kette von Waschsalons hier in Bangkok. Sie hat sich dieses Geschäft aufgebaut als alleinerziehende Mutter eines kleinen Kindes (der Vater hat sie rund gemacht und sich dann vom Acker gemacht) aufgebaut. Sie hat einen Job bei einer Tankstelle gefunden, and er Zapfsäule. Dann hat sie sich einen Zweitjob in einer Wäscherei gesucht. Fleißig gewesen, viel gespart, aufmerksam geguckt und gelernt… und schließlich irgendwann ihren eigenen Waschsalon aufgemacht. Dann noch einen, und noch einen…

… sich verliebt in einen Ingenieur, der aus einer “guten Familie” stammt (eine Familie mit Geld und Einfluss).

Und irgendwann war ihr das alles zu langweilig und sie hat ihre Waschsalons verkauft und angefangen Thai-Massage zu lernen. Sie war ganz begeistert und wollte unbedingt als Thai-Masseurin arbeiten. “Ich liebe Thai-Massage. Ich fühle mich als ob ich endlich etwas gefunden habe, das Sinn macht.”

Sie besuchte ein dutzend Kurse an verschiedenen Schulen und schließlich war es dann soweit: sie fing an in einem Salon zu arbeiten. Nach zwei Tagen ging sie nicht mehr hin. Sie hatte es sich anders überlegt. Massage sei nicht das Richtige für sie. Sie wollte Köchin werden.

Also meldete sich an der Le Cordon Bleu Dusit Culinary School an um eine Ausbildung zur Köchin zu machen. Kochen, ja, kochen, das begeistere sie. Endlich habe Sie etwas gefunden, das…

Nachdem Sie also Ihre Ausbildung dort abgeschlossen hatte, fing sie an in einer Küche zu arbeiten, und kurze Zeit später… war auch das nicht mehr richtig.

Lehrerin! Ja, Lehrerin wollte sie sein. Deshalb wollte sie ihren Schulabschluss nachholen, studieren und als Lehrerin arbeiten.

Und nebenher wollte sie sich zwischendurch auch noch von ihrem Mann trennen, nach Australien auswandern und ins Baugeschäft einsteigen.

Verstehst Du jetzt, warum wir sie Miss Change nennen?

Sie ist ein extremes Beispiel, aber ein Stück weit ist es jeder von uns. Wer bist Du in den Augen anderer Menschen? Du bist nicht so sehr der Mensch, der Du denkst, dass Du bist. Du bist was Du tust, nicht was Du denkst. Ja, Dein Handeln entspringt Deinem Denken, aber letzten Endes machen Dich die nobelsten Gedanken nicht zu einem besseren Menschen, wenn Deine Taten schlechte sind.

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