Zeugsucht

05.08.2009


Zeugsucht ist ein seltsames Wort, aber ich finde es ist auch ein treffendes Wort: viele Leute sind süchtig nach Zeug.

Und sie brauchen beständig Nachschub an neuem Zeug. (Dabei haben sie schon mehr Zeug, als sie überhaupt benutzen können).

Jeder von uns ist ein bisschen zeugsüchtig, es liegt in der menschlichen Natur. (Vielleicht ein paar Ausnahmen… der Dalai Lama oder so jemand).

Aber manche sind es über die Maßen, und sie merken es garnicht. Sie rennen durch’s Leben, und alles dreht sich um mehr Zeug, Zeug, Zeug. Sie arbeiten, damit sie mehr Geld haben um Zeug zu kaufen. (Sie arbeiten nicht um damit etwas Wertvolles zu schaffen, oder anderen zu helfen, oder weil es ihnen Spaß macht, sondern um mehr neues Zeug kaufen zu können.)

Schlecht drauf und deprimiert? Zeug kaufen, das muntert auf! Gut drauf, weil etwas besonders gut geklappt hat? Zeug kaufen, Du hast es Dir verdient! Das will gefeiert werden! Es geht solala – nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut? Zeug kaufen, dann wirst Du glücklich. Du möchtest jemand anderem eine Freude machen? Kauf ihm Zeug! Einsam und verlassen? Kauf Zeug – wenn andere sehen, was für cooles Zeug Du hast, dann werden Sie Zeit mit Dir verbringen wollen!

Kurz: es gibt immer einen guten Grund, Zeug zu kaufen, wenn man Zeug kaufen will.

Ich bin Menschen begegnet, die sich den ganzen Tag mit Spiritualität beschäftigen und auf Leute herabsehen, die sich um schnöden Mammon kümmern. Und gleichzeitig: ihre Wohnung ist voller Zeug, und sie kaufen ständig neues Zeug. Warum? “Weil die Energien nicht mehr stimmten.”

Wenn alles was Du Dir kaufst nach ein paar Monaten energetisch nicht mehr stimmig für Dich ist, dann solltest Du Dich vielleicht fragen, wie Du mit Deinem Zeug umgehst, dass es so schnell unstimmig wird…

Die ZeugDiät

Aber was wäre, wenn Du mal eine Zeit lang auf Neues Zeug verzichtest? Wenn Du auf eine ZeugDiät gehst?

Und zwar ein bisschen länger als es Spaß macht auf eine ZeugDiät zu gehen. Ja, eine kurze ZeugDiät, das ist was Feines, vor allem um es auszuprobieren und darüber reden zu können. Aber wenn das Bedürfnis nach neuem Zeug stark genug ist, und der “neu”-Effekt der ZeugDiät abgeklungen ist… dann wird sich in den Gehirnwindungen ganz schnell wieder ein guter Grund finden, warum es mit der ZeugDiät jetzt erstmal gut ist. Und schwupp, weiter geht’s auf dem ZeugKarussell, das sich ewig weiterdreht.

Du benutzt Zeug, um Probleme vor Dir herzuschieben

Welchen Effekt hätte es auf Dein Leben, wenn Du tatsächlich mal für ein paar Monate auf neues Zeug verzichtest. Welche Gefühle tauchen auf? Welche Gedanken?

Denn oft benutzen wir Zeug, um uns von Problemen abzulenken, die wir nicht anpacken wollen. Oder etwas nicht fertigzustellen, das unerledigt rumliegt. Das Problem mit dieser Problem-Vermeidungs-Strategie ist jedoch: je länger das Problem nicht gelöst wird, desto mehr eskaliert es meist.

Wie ein Topf faulige Spagetthi Bolognese im Kühlschrank. Am Anfang denkt man garnicht dran, bis sie verfault ist. Und dann mag man es nicht anfassen, weil man genau weiß: uh… sobald ich diesen Deckel abhebe, steigt mir ein ekelerregender Gestank in die Nase und ich muss die schimmlige Masse entsorgen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto schlimmer wird es. (Glaube mir, ich spreche aus Erfahrung!)

ZeugEntzug

Wenn Du auf Zeugentzug gehst, dann stellen Entzeugserscheinungen ein. Dann treten plötzlich die Themen in Dein Bewusstsein, die vorher im Unbewussten vor sich hingegoren sind… und das ist im ersten Moment keine angenehme Entdeckung.

Aber es muss garnicht so unangenehm sein, wie Du Dir das vielleicht vorstellst, wenn Du das Problem nicht bekämpfst, sondern löst.

Sicher, das ist ein bisschen Arbeit, das ist ein bisschen Umstellung – aber je mehr Du Dich gegen Veränderung sträubst, desto größere “emotionale Reibungsverluste” gibt es. Wenn Du Dich gegen diese Veränderung jedoch nicht sträubst, sondern sie einfach geschehen lässt (und damit: das Alte, Gewohnte loslässt), desto müheloser, leichter und angenehmer vollzieht sich die Veränderung. Aber das Thema Umgang mit Veränderungen werde ich nochmal an ganz anderer Stelle aufgreifen…

Der Mühen Lohn

“Wozu das ganze? Wenn ich ein Problem garnicht bemerke, warum sollte ich mich dann darum kümmern es zu lösen?”

Das ist eine berechtigte Frage. Auch wenn Du Dir des Problem’s nicht bewusst bist – einen Einfluss auf Dein Befinden hat es doch. Es ist ein bisschen wie ein Tropfen Gift im Trinkwassere. Du siehst es nicht, Du hörst es nicht, Du schmeckst, und fühlst und riechst es nicht. Aber trotzdem schwächt es Dich.

Wenn Du das Problem löst, dann wirst Du im Nachhinein merken, dass es Dir besser geht. Dass Du glücklicher bist, über mehr Energie verfügst, Deine Gedanken klarer sind.

Denn Dein Kopf ist nicht mehr zugestellt mit all dem neuen Zeug. Dein Kopf ist nicht mehr damit beschäftigt, Deine bewusste Aufmerksamkeit beständig von unterschwellig brodelnden Problemen abzulenken. Du gewinnst Klarheit und Orientierung im Leben.

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