Lächel-Kampagne: Die Stadt des aufgesetzten Lächelns?

24.07.2009

Paris bleiben die Touristen aus.

Deswegen wurde eine große Kampagne gestartet, die Franzosen zum Lächeln aufruft. Denn nicht nur die Wirtschaftskrise ist schuld am Ausbleiben der Touristen – Franzosen haben im Ausland einen schlechten Ruf: sie gelten als unfreundlich.

Glaubst Du, dass eine Lächel-Kampagne eine gute Idee ist?

laecheln

Ein falsches Lächeln ist immernoch besser als ehrlich verdrossen dreinzuschauen

Ich denke, dass ein “falsches Lächeln” manchmal besser ist, als “echte Miesgrämigkeit”. Denn wenn 100 Leute ein aufgesetztes Lächeln rumtragen, dann lächeln sie andere Leute an – und Lächeln ist ansteckend… und so führt das ganze dann zu einem echten Lächeln. Viele Leute stellen dann erstmal fest: Hey, wenn ich mit so einem Lächeln auf den Lippen durch die Gegend laufe reagieren die Leute ganz anders auf mich, und schließlich verwandelt sich das Fake-Lächeln in ein echtes Lächeln.

Botox-Lächeln und Silikon-Titten

Ich habe das Phänomen sogar mal am eigenen Leibe erfahren – auf einer Veranstaltung in den USA in denen lauter gebotoxte Frauen mit dem klassischen Hollywood-Lächeln herumliefen.

Meine erste Reaktion war erstmal: “Oh mein Gott, das ist ja wirklich wie in den Filmen. Merken die garnicht, wie schräg sie sind?” Aber all das Gelächele hat dann schließlich dazu geführt, dass ich mich trotzdem wohl gefühlt habe. (Ich denke übrigens immernoch, dass die in einer sehr schrägen Realität leben. Bei den meisten von denen sind mindestens 25% ihres Körpers “kosmetisch korrigiert” – aber hey, leben und leben lassen…)

Luxus-Lächeln

Ein schöneres Beispiel ist die Hotel-Industrie. Wir haben uns letztends über`s Wochenende im Marriott Resort einquartiert – die gesamte Belegschaft dort, vom Manager bis zur Putzfrau lächelt Dir freundlich zu, wenn sie Dich sehen. Lächeln sie, weil sie glücklich sind?

Nein. Sie lächeln um Dir ein gutes Gefühl zu machen. (Die meisten Leute, die in fünf Sterne-Hotels arbeiten sind überarbeitet – viel zu lange Arbeitszeiten, viel zu harte Arbeit).

Lächelnde Verkäufer

Früher habe ich Zeitungsabos verkauft – auf der Straße, in den Unis, Einkaufszentren und so weiter. Der Unterschied zwischen einem Tag an dem ich anderen Leuten wahllos mein Lächeln geschenkt habe, und einem Tag, an dem ich damit gegeizt habe? Ich würde sagen 100 Euro. (Und am Ende eines Tages war ich schlecht drauf. Am Ende eines anderen Tages fantastisch – nicht nur des Geldes wegen, sondern weil ich so vielen Leuten ebenfalls ein Lächeln auf’s Gesicht gezaubert und ihre Laune von neutral/negativ zu gut gelaunt verändert hatte).

Ich sage nicht, dass man ständig mit einem aufgesetzten Lächeln durch die Gegend laufen, anderen Leuten was vormachen und seine Gefühle unterdrücken soll. Und auch nicht, dass man andere Leute anlächen soll, um ihnen etwas verkaufen zu können. Aber ich glaube manchmal ist das aufgesetzte Lächeln eine gute Übergangslösung zu einem echten, authentischen Lächeln, das von innen heraus kommt, weil Du glücklich bist.

Das Lächeln des Dalai Lama

Von einem ehemaligen tibetanischen Mönch habe ich eine schöne Übung gelernt: Dich selbst durch die Augen eines anderen sehen, und Dir vorstellen, welches Gesicht der andere gerne sehen würde. (Tipp: ein gutmütiges, freundlich und warmherzig lächelndes Gesicht ist in den meisten Fällen eine gute Wahl).

Manchmal kannst Du einem anderen Menschen einfach “als gute Tat” wirklich ein Lächeln schenken, auch wenn Dir selbst gerade mal nicht danach ist. Bist Du Dir eigentlich bewusst, dass Dein Lächeln ein Geschenk ist, mit dem Du anderen Menschen eine Freude machen kannst? (Ganz besonders den Menschen, die sonst nur selten ein Lächeln geschenkt bekommen).

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Foto: barunpatro

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