Was mach ich nur mit übertriebenem Perfektionismus?

16.07.2009

Aus der Reihe Ramin’s Reflexionen (schnöselige Musik):

reflektion

Ein guter Freund von mir nannte mich früher Mr. Perfect. Nicht, weil ich perfekt gewesen wäre, sondern weil ich immer den Anspruch an alles hatte, perfekt zu sein – wir haben alle möglichen Dinge an den Start gebracht, und wäre es nach mir gegangen, hätten wir wahrscheinlich nie etwas fertiggestellt und abgeschlossen, weil wir zu beschäftigt gewesen wären, es weiter zu perfektionieren.

Schließlich habe ich doch daraus gelernt und erkannt: gut genug ist gut genug.

Aber zur Zeit arbeite ich an einem neuen Projekt (Projekt M), und laut Plan sollte ich schon viel weiter sein als ich bin.

Weshalb bin ich zu spät dran?

Weil ich jedes Detail in Projekt M immer noch ein bisschen besser machen will.

1. Schritt: Erkenntnis (aka: Ja, ich geh mit zu hoher Erwartungshaltung an das Ding ran)

2. Schritt: Veränderung (aka: Then take it easy! Gut genug ist gut genug) … und genau da harpert’s gerade im Projekt M.

Ist Perfektionismus Beschiss?

So insgeheim dämmert mir jedoch gerade, dass der Perfektionismus vielleicht doch nur ein Vorwand ist. Denn wenn ich wirklich so auf Perfektion versessen wäre… warum achte ich dann nicht auf Perfektion was die Terminfristen angeht?

Sicher, ich habe die Fristen selbst gesetzt – aber sind sie deshalb weniger verbindlich? Nope.

Und was kommuniziere ich damit indirekt den anderen Leuten im Team? “Es ist okay sich nicht an die Fristen zu halten”. Ist das eine Botschaft, die ich raussenden will? Nope.

Vielleicht ist es nur eine Verzögerungstaktik? Sich so sehr in Details zu verhakeln, dass man einen bestimmten Schritt nicht tun muss? Das Unbewusste bedient sich manchmal der seltsamsten Strategien…

Ich gehe jetzt mal in mich und lote aus, ob da etwas ist, dem ich aus dem Weg gehe. Und dann stecke ich meinen Taschen-Sigmund-Freud wieder weg und mach mich an’s Werk – in dann grobkörnigerer Auflösung.

Und Du?

Kennst Du sowas auch? Oder glaubst Du das ist alles Käse?

{ 2 comments… read them below or add one }

Beate July 17, 2009 at 02:52

Hallo! Vieleicht hast du ja Angst das es (Das Projekt) garnicht so Perfekt ist.
Stell dir mal vor nach Fertigstellung kommt jemand und sagt, das hättest du aber besser oder anders machen können und schon ist es nicht mehr Prefekt.
Kommt aber jemand und sagt, hy das ist gut, dann ist doch Gut, Gut genug.

Grüße Beate

Reply

Ramin July 17, 2009 at 10:37

Hi Beate,

danke für Dein Feedback. Ja, ich glaube Du hast recht, dass da Angst im Spiel ist.
Das Projekt ist mit Sicherheit nicht annähernd perfekt, und wird es auch nie sein.
In der Vergangenheit hab ich ähnliche Projekte schon für andere erfolgreich fertiggestellt. Diesmal ist es jedoch keine Auftragsarbeit, sondern ich mach das für mich selbst, und daher kommt wohl der Bammel.

Ich glaube diese Einsicht allein hilft mir schon mit der richtigen Mischung aus Feingefühl und “Hau ruck!” ranzugehen 🙂
Vor allem werde ich mir mal Qualitätsfeedback von anderen einholen – die kleine Stimme im Kopf ist ja oft unser schlimmster Kritiker 🙂

Nochmals Danke, Beate, und viele Grüße,
Ramin

Reply

Leave a Comment

Previous post:

Next post: