Neue Lehrmethode: Voting per Knopfdruck

15.07.2009

knopfdruckAnnika studiert an der Uni Münster – und während der Vorlesungen wird sie mehrmals gefragt, welche Antwort richtig ist. A, oder B.

Diese Frage stellt sich auch jedem andere Studenten – beantwortet wird sich per Knopfdruck. Jeder Student hat ein kleines Gerät mit Knöpfen.

Anschließend wird angezeigt, wieviel Studenten für welche Antwort gestimmt haben.

So bekommen Dozenten direktes Feedback, wie gut der gerade durchgenommene Stoff verstanden wurde. Im Rahmen einer Vorlesung müssen die Studenten mehrmals per Knopfdruck antworten.

Kritik am Knopfdruck-System

Manche Professoren halten das System für Käse – weil so etwas nur Aufschluss gibt, über im Kurzzeitgedächtnis verarbeitete Informationen gibt. Man müsse den Studenten einige Tage Zeit geben, das soeben gelernte zu integrieren und mit bereits vorhandenem Wissen zu verknüpfen.

Soll Unterricht verstanden werden?

Aber sind die Vorlesungen nicht dazu da, Studenten zum Verständnis zu helfen? Ich glaube, dass allein durch die Fragestellung – und das Nachdenken über das gerade Gelernte – das Wissen effektiver integriert wird.Denn eine der effektivsten Methoden, sich neues Wissen durch Lesen anzueignen, ist immer wieder innezuhalten und zu reflektieren: “Was habe ich gerade gelernt?” Und sich Fragen zum Text zu stellen.

Natürlich kann so eine Knopfdruck-Abstimmung nicht messen, wie gut ein Student gelernt hat. Aber er kann messen, wie verständlich ein Dozent unterrichtet hat. Niemandem ist geholfen, wenn lange über die Köpfe der Studenten hinwegdoziert wird.

Wenn Studenten natürlich ahnungslos einfach raten – oder den Sitznachbarn befragen: “A oder B”, macht das System keinen Sinn. Sollte man sich jedoch nach denen richten? Oder eher nach denen, die den Unterricht tatsächlich verfolgen und über die Fragestellung nachdenken, statt darüber,welcher Knopf der richtige ist?

Lern-Tipp

Wenn Du selbst lernst – egal in welcher Form, ob Du liest, Dir einen Vortrag anhörst, ein Video-Tutorial schaust… halte immer wieder inne und reflektiere über das, was Du gerade gelernt hast.

Stell Dir Fragen dazu.

Frage Dich:

  • Was bedeutet das für mich?
  • Wo kann ich diese Information anwenden?
  • Warum ist das wichtig für mich?
  • … und auch ganz fachspezifische Fragen

Wissen einfach reinstopfen funktioniert nicht. Ja, Du kannst stundenlang lesen – aber am Ende wirst Du Dich nur noch an wenig erinnern können, wenn Du nicht zwischendurch kleine Pausen einlegst in denen Du das gerade zu Dir genommene “verdauust”.

Und genau wie die Verdauung von Nahrung, so ist auch die Verdauung von Information ein aktiver Prozess. Also nicht einfach nur Pause machen und relaxen, sondern eben Fragen stellen, reflektieren, gerade gelerntes gedanklich nochmal durchgehen, oder gar am besten: darüber sprechen.

(Studien haben gezeigt, dass der größte Teil des Gehirns aktiviert wird, wenn Du frei über ein Thema sprichst. Wenn Du liest, wird vor allem ein Areal in Deinem Gehirn aktiviert. Wenn Du zuhörst, ein anderes. Wenn Du schaust, wieder ein anderes Areal. Wenn Du schreibst, wieder ein anderes. Aber wenn Du frei sprichst, dann findet ein riesiges Feuerwerk in Deinem Gehirn statt und Dein Gehirn ist aktiver als bei jeder anderen Form der Informationsverarbeitung.)

Fotovorlage: Nick Benjaminsz

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