Kreativität: So werden bei Disney HEUTE Ideen gemacht

09.07.2009

Kreativität wird oft hoch gepriesen, aber selten richtig angewandt.

Wer sich schonmal mit dem Thema NLP (Neurolinguistisches Programmieren) befasst hat, der kennt wahrscheinlich schon die Disney Strategie. Eine Kreativitätsstrategie, die auf den Arbeitsmethoden von Walt Disney basiert. Aber Walt Disney lebt schon lange nicht mehr, und das Hause Disney ist immernoch eine Ideenmaschine, die weiter wächst und gedeit – und sich weiterentwickelt hat.

Die Spielzeugabteilung von Disney: Eine Ideenfabrik

Disney macht mit Spielzeugen, Kleidung und als Verlag 30 Milliarden Dollar Umsatz. Das ist doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Ein Großteil dieses Wachstums kommt aus der “Spielzeugfabrik”, die zwei kreative Köpfe (Heatherly & Mazzocco) leiten.

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Sie haben eine ganz eigene Methode, um neue Spielzeuge zu erfinden. Ich werde diese Methoden gleich beschreiben – aber wichtig ist, dass Du daran denkst: nur zu wissen, wie es bei Disney gemacht wird, bringt Dir nichts. Wenn Du jedoch erkennst, wie Du das auf Dein eigenes Leben übertragen kannst – das darunterliegende Muster, und wie Du es für Dein Leben und Dein Unternehmen einsetzen kannst – Bingo! (Den Schritt habe ich für Dich auch schon gemacht – weiter unten im Post, aber es ist wichtig, dass Du den ganzen Artikel liest).

Das Brainstorming Bootcamp

  • 20 bis 30 mal pro Jahr finden die großen Brainstorming-Sessions statt
  • Eine Brainstorming-Session dauert 2-3 Tage
  • Bis zu 50 Leute nehmen daran teil
    • ganz verschiedene Leute, zum Beispiel: Disney designer, Ingenieure, Künstler, Verkäufer, Animatoren, Computerspiele Designer, Angestellte aus Disneyland und Disneyworld und der Marketingabteilung, … also eine bunte Mischung
    • die Teilnehmer werden in verschiedene Teams aufgeteilt

So geht’s:

  1. Eisbrecher
    • der Eisbrecher ist dazu da, die Leute auf “kreativ” umzustellen, und aus ihrem normalen “Arbeitstrott” raus.
    • Zeit: 10 bis 30 Minuten
    • kleine Wettbewerbe die Spaß machen
      • für “Disney Princess”: Modeshow
      • für “Club Penguin”: um die Wette Iglos bauen
    • so lernen die Team-Mitglieder sich kennen und können besser zusammenarbeiten
    • hilft den “unkreativen” Mitarbeitern nicht eingeschüchtert zu sein von den professionell Kreativen
  2. Brainstorming
    • das Brainstorming ist dazu da, möglichst viele Produktideen zu sammeln
    • Zeit: 45-60 Minuten
    • sie bekommen die Aufgabe Spielzeug mit bestimmten Eigenschaften zu entwerfen
      • z.B. für “Toy Story” elektronisches Spielzeug
      • für “Princess and the Frog” Puppen
    • zum Ende werden die besten Ideen bewertet
  3. Prototyp erstellen
    • in dieser Phase geht es darum, die rohe Idee zu einem fertigen Produkt zu entwickeln
    • Künstler malen detaillierte Bilder und Skizzen von den besten Produktideen jedes Teams.
    • Der “Prototyp”,  ist dann sowas wie ein Comic-Buch Story-Board. Später werden die Designer der Spielzeugentwicklung bei Disney diese Prototypen als Vorlagen für ihre Arbeit benutzen
  4. Pitch
    • der Pitch ist dazu da, um zu demonstrieren, dass das Produkt auch realistisch umsetzbar ist, wie es benutzt und verkauft werden kann
    • jedes Team stellt seine Ideen vor, wie einen Pitch. Es wird über Marketing, Nutzung, Distribution geredet, so wie eben auch wenn man bei Investoren vorsprechen würde
    • das führt dazu, dass die Ideen nicht nur Konzepte bleiben, sondern tatsächlich umgesetzt werden können.

Jetzt weißt Du wie es bei Disney gemacht wird – aber wie lässt sich das auf Dich übertragen? Du kannst wohl kaum 60 Tage im Jahr “Brainstorming” mit 50 verschiedenen Leuten machen?

Deine eigene Kreativitäts-Strategie

  1. Definiere ein Zeitfenster für Deine Kreativitäts-Sitzung
    • 2 Stunden insgesamt (zum Beispiel)
    • verabrede Dich mit Deinen Brainstorming-Partnern, damit ihr alle zusammen seid. (Geht auch online, zum Beispiel via skype-Konferenz !)
  2. Brich das Eis
    • definiere Zeit: 15 Minuten
    • macht was, das Spaß macht:
    • zusammen rappen und beatboxen, oder singen. (das mach ich gerne. ich rappe extrem schlecht und extrem peinlich, und von meinen beatbox-künsten ganz zu schweigen, aber es ist einfach lustig!)
    • mit bunten Wachsmalstiften auf großen Bögen Papier etwas malen. (Vor allem, wenn es abstrakte Begriffe sind, die sich eigentlich garnicht malen lassen. Also “überschäumende Freude”, “absolute Begeisterung”, etc.)
    • mach ein “Kunstwerk” auf Kaffeepulver, Klebstoff, rotem Klebeband und beliebigen Gegenständen
    • spielt eine Szene aus einem coolen Film nach (das aktiviert die gleiche Fantasie-Drüse, wie wenn kleine Kinder Cowboy und Indianer spielen)
  3. Brainstorming
    • Zeit: 35 Minuten
    • definiert Ziel und Rahmenbedingungen: z.B. Werbekampagne für unter 8000 Euro / Neudesign der Produktlinie / bessere Verhandlungsstrategie die zu einer Win-Win Situation führt
    • KEINE Kritik während des Brainstormings, auch wenn Ideen auf ersten Blick nicht machbar scheinen – trotzdem aufschreiben
    • am Ende wird jede Idee bewertet (Skala von 1 bis 10)
  4. Prototyp
    • Zeit: 60 Minuten
    • die besten Ideen werden konkretisiert. Wenn es etwas visuelles ist und ihr jemanden habt, der malen kann, macht das. Ansonsten so viele Details wie möglich zu Papier bringen, z.B. mit einem MindMap oder einem Flussdiagramm
  5. Pitch
    • Zeit: 10 Minuten
    • jetzt werden die Prototypen “gepitcht”, so, als wolltet ihr einen Investor davon überzeugen einzusteigen, oder einen Entscheidungsträger dazu bringen, euch zuzustimmen.
    • zeichnet den Pitch auf, um es später auswerten zu können

So könnt ihr in 2 Stunden tatsächlich umsetzbare Ideen produzieren.

Das ist eine extrem wertvolle Fähigkeit, denn: viele Leute sind gelegentlich kreativ. Viele Leute sind kreativ, wenn sie “von der Muse geküsst” und inspiriert worden sind. Im wahren Leben müssen wir jedoch manchmal auch dann kreativ sein, wenn wir keine Zeit haben darauf zu warten, dass die Muse sich bequemt.

Ein systematischer Prozess um kreativen Output zu erzeugen – für manch einen mag das widersprüchlich klingen. Aber gerade für diejenigen, die “nicht kreativ” sind, diejenigen, die sonst Schwierigkeiten haben sich neue Sachen einfallen zu lassen, ist so ein Prozess eine große Hilfe.

Quelle: BusinessWeek

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