Schlafstörungen und schon alle "guten Ratschläge" ausprobiert?

06.07.2009

In der Zeit findet sich heute ein Artikel zum Thema Schlafstörungen. Darin wird beschrieben, dass viele Leute, die wegen Schlafstörungen einen Spezialisten aufsuchen schon viele gängige Ratschläge ausprobiert haben und trotz alledem noch an Schlafstörungen leiden.

Nun bin ich weiß Gott kein Spezialist für Schlafstörungen, aber ein bisschen Erfahrung mit Menschen die unter Schlafstörungen leiden habe ich schon.

Viele von ihnen haben schlechte Schlafgewohnheiten, die sich über viele Jahre manifestiert haben. Und dann probieren sie ein paar “übliche Ratschläge” aus für ein paar Tage, vielleicht zwei Wochen. Und sind frustriert, dass sie immernoch Schlafstörungen haben.

Ingo Fietze vom Schlafmedizinischen Zentrum der Charité mag zwar der Meinung sein, dass synthetische Schlafmittel keine Gefährdung darstellen, was die Suchtgefahr betrifft. Allerdings sind Schlafmittel keine Lutschbonbons – und viele Leute, die Schlafmittel nehmen sind im höheren Alter und nehmen häufig auch andere Mittel. (Mittelchen und Mittelchen führt oft zu unvorhersehbaren Effekten).

Studie: Schlafmittel wirken kaum

Eine Studie aus dem Jahr 2005 (hier klicken für die englische Studie) hat gezeigt, dass mit Schlafmitteln zwar die Schlafdauer erhöht und die Schlafqualität verbessert werden kann, allerdings sind Menschen bei Gebrauch von Schlafmitteln häufiger tagsüber müde (trotz mehr Schlaf), denken oftmals nicht mehr so klar und neigen eher dazu hinzufallen.

Einem Artikel der New York Times zufolge gaben die Amerikaner 2007 $4.5 Milliarden Dollar für Schlafmittel aus. Und das obwohl diese Mittel nur sehr wenig wirken – auch wenn sie den Menschen die sie nehmen, das Gefühl verschaffen, das sie wirken. Das mag daran lieben, dass viele Schlafmittel den Effekt haben, dass die Leute sich weniger Sorgen machen – auch weniger Sorgen ums Einschlafen. Auch wenn die Schlafqualität und -dauer kaum erhöht wird – die Tatsache, dass man sich keine Sorgen mehr macht, sorgt dafür, dass Leute mit Schlafmittel zufrieden sind.

Bizarre Nebenwirkungen von Schlafmitteln: Im Schlaf Zigaretten essen

Und immer wieder gibt es berichte von bizarren Nebeneffekten. Vor etwa 20 Jahren nahmen viele Leute ein Schlafmittel namens Halcion, um im Flugzeug zu schlafen. Als sie am Zielflughafen ankamen verloren sie die Orientierung und vergaßen wo sie sind – daraufhin haben verschiedene Länder Halcion verboten. Über ein heute noch beliebtes Schlafmittel in den USA namens Ambien (Wirkstoff: Zolpidem, siehe Wikipedia) macht ebenfalls immer wieder mit bizarren Geschichten auf sich aufmerksam. (Die NYT berichtet von einer Frau, die sich schlafwandelnd das Handgelenk brach. Auch Berichte über essen im Schlaf tauchen vermehrt auf – zum Beispiel wurden solche Leckereien wie Zigaretten mit Butter [siehe CBS Bericht auf englisch]).

Wirklich keine Suchtgefährdung?

In den USA gibt es Suchtberatung für Ambien-Abhängige. Frauen von Debora King berichten von Sucht:

Wenn Du Schlafprobleme hast, dann solltest Du etwas unternehmen, denn ein guter Schlaf ist enorm wichtig für Deine Gesundheit. Überlege Dir jedoch sorgfältig, ob Du wirklich zur Pille greifen willst und ziehe natürliche Methoden in Betracht – und vor allem, lass Dich beraten von Menschen, die Erfahrungen damit haben, Menschen mit Schlafstörungen zu helfen.

Studie: Schlaftherapie kann effektiver sein als Schlafmittel

Eine 2006 Studie aus Norwegen hat gezeigt, dass Kognitive Verhaltenstherapie zu besseren Ergebnissen führen kann als Schlafmittel. (siehe Journal of American Medical Association, englisch)

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