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Zensur, Überwachung und Freiheit

08.08.2009

Zensursula und die Politikerin Hannelore Kraft, die einen Blogger verklagt hat wegen dem, was er schrieb, haben das Thema freie Meinungsäußerung und Informationsfreiheit mal wieder auf den Radarschirm der Öffentlichkeit gebracht, und dieser schön geschriebene Artikel der Zeit hat das Thema für mich nochmal aktualisiert.

Bei all den (berechtigten) Aufschreien über Zensur und Ausspitzelei sollten wir uns eines in Erinnerung rufen:

Die Freiheiten, die wir heute hier genießen, sind Freiheiten, die den meisten Menschen vorenthalten bleiben.

  • In China regierungskritisch bloggen? Nur, wer bereit ist Haftstrafen zu riskieren. (1,3 Milliarden Menschen).
  • In diversen “afrikanischen Demokratien” eine Karikatur über den Präsidenten machen? So landet man auch ohne Gerichtsverhandlung im Gefängnis.
  • In Cuba den Sozialismus kritisieren? (Fidel Castro ist eine beeindruckende Persönlichkeit, aber sein Umgang mit Informationsfreiheit und Kritikern beeindruckt mich nicht).
  • In Thailand bestimmte, einflussreiche Familien und Persönlichkeiten kritisieren? 25jährige Haftstrafen sind kein Problem.
  • Sich in Burma beklagen, wenn das Militär Dich aus Deinem Haus vertreibt? Spurlos verschwinden ist ganz einfach.
  • In Nordkorea einen regierungskritischen Forumbeitrag hinterlassen… ach, es haben überhaupt nur 4% der Bevölkerung Zugang zum Internet (und die werden genau überwacht).
  • In Sudan reicht es schon, die falsche Hautfarbe zu haben um abgeschlachtet und vergewaltigt zu werden (je nachdem, ob Mann oder Frau).
  • In Syrien regierungskritische Webseiten lesen? Verboten.

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen, aber Du verstehst schon, was ich damit sagen will: wir sind (trotz allem) noch eine positive Minderheit auf dem Planeten Erde, was unsere bürgerlichen Freiheiten angeht.

(Natürlich sollten wir nicht die schlimmsten Staaten als Bemessungsgrenze nehmen.)

Die Freiheiten, die wir heute genießen, sind Freiheiten, für die Männer und Frauen* seit Jahrtausenden kämpfen – und sterben. Auch heute noch. Und zwar sowohl, um diese Freiheiten zu erreichen, als auch, um diese Freiheiten zu erhalten.

Dafür solltest Du dankbar sein.

Damit meine ich nicht, dass wir still dasitzen sollen, wenn diese Freiheiten beschnitten werden. Ich bin dafür Aktion zu ergreifen und Rechte nicht einfach so beschneiden zu lassen.

Aber ich rede von Deinen und meinen Gefühlen, wenn wir uns für unsere Freiheiten Aktion ergreifen. Tun wir es auf einer Basis von Angst und Aggression? Aus der Defensive, wie ein in die Ecke gedrängtes Tier?

Wenn Du es noch nicht getan hast, dann ließ jetzt Gute Entscheidungen auf der Basis schlechter Gefühle.

* Frauen sind wahrscheinlich sogar noch häufiger für diese Rechte gestorben. Man denke nur an die Hexenverbrennungen im Mittelalter. Auch wenn der märtyrerische Held in den Filmen meist ein Mann ist.

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