Politikerin verklagt Blogger

01.07.2009

Weil ein Blogger Unregelmäßigkeit im Lebenslauf der Politikerin Hannelore Kraft aufgedeckt hat, hat Frau Kraft gleich juristische Schritte gegen ihn eingeleitet. Unterlassungsklage. Und ein paar Hundert Euro Anwaltsgebühren bitte. Sonst wird es ernst.

Ganz gleich ob Frau Kraft nun in den Förderskandal verwickelt war, der im Blogpost erwähnt wurde oder nicht – allein die Art wie sie darauf reagiert hat, macht sie nicht eben vertrauenswürdiger. Ich zumindest würde Frau Kraft nicht als Projektleiterin haben wollen. Aber wen wundert’s – ich bin ja auch Blogger.

Die ganze Story gibt’s hier, und der Blogger der verklagt wurde bloggt auf www.ruhrbarone.de. Mal sehen, wie sich der Fall weiterentwickelt.

Offenbar hat sich Frau Kraft durch den Blogeintrag bedroht gefühlt und ist zum Gegenangriff angegangen.

Wie verhälst Du Dich, wenn Du Dich bedroht fühlst? Wenn Du fürchtest, dass jemand einem Deiner Geheimnisse auf die Schliche kommen könnte? Oder wenn Du Dich ungerecht beschuldigt fühlst?

Gegenangriff? Totalkonfrontation?

Oder suchst Du erst das Gespräch um vielleicht eine Unklarheit zu beseitigen?

Kriegserklärung oder Diplomatie?

Selbst wenn Du aus einer Machtposition heraus agierst, wenn Du gleich mit “Krieg” reagierst, kannst Du Dir damit selbst schaden.  Die versierte Politikerin, Fraktions- und Landesvorsitzende Hannelore Kraft ist sicher einflussreicher, und hat mächtigere Freunde als der kleine Blogger von Ruhrbarone. Weil sie jedoch gleich schwere Geschütze aufgefahren hat, hat sie genau das heraufbeschworen, was sie um so dringend vermeiden wollte: dass sie allerorts in Verbindung gebracht wird mit dem Förderskandal.

Das sollte doch zu denken geben.

{ 4 comments… read them below or add one }

Hannes July 2, 2009 at 00:11

Schöne Gedanken dazu! Ich hatte eigentlich bisher gedacht, solche Beispiele mit verklagten Bloggern gebe es nur in anderen Ländern. Tja, falsch gedacht …

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Ramin July 2, 2009 at 00:40

Je mehr Menschen Blogs lesen, desto mehr wird es wohl auch Interessenkonflikte geben. Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt.

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Dori July 2, 2009 at 02:49

Das hatte ich kürzlich in meinem Umfeld. Ein Blog-Freund von mir wurde von einer Computerfirma – deren betrügerisches Verhalten er in seinem Blog aufdecken wollte – sofort zu einem Schadenersatz von 20.000 Euro “verdonnert”. Wie nennt man das: mit Kanonen auf Spatzen schießen? Auf jeden Fall hat man sich dann so geeinigt, dass er das Post gelöscht hat, und die Firma die Klage zurückgezogen hat.

Sonnige Grüße
Dori 🙂

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Ramin July 21, 2009 at 22:32

Hier ist noch ein anderer Beitrag der ein bisschen verwandt ist, über den Ausfall der Kontrolle im Netz:
http://www.welt.de/webwelt/article4153563/Die-Blogosphaere-ist-der-Albtraum-fuer-Kontrolleure.html

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