Nationalhymne macht Vorurteile, Kinderlieder machen Kopf auf

28.06.2009

Ich liebe solche Studien.

Wenn Menschen die Nationalhymne vorgespielt wird, verhalten sie sich dann anders als wenn ihnen ein Kinderlied vorgespielt wird?

Ändert es ihre Art zu denken und ihre Einstellung?

Ja, sagen Forscher der Kansas State Universität.

Sie haben herausgefunden, dass die Nationalhymne dazu führt, dass Menschen mehr Vorurteile haben und weniger offen gegenüber anderen Kulturen sind.

In der Neurophysiologie wird so etwas Bahnung (oder zu englisch Priming) genannt. Priming kann hilfreich beim Lernen sein, aber Priming kann auch genutzt werden um Menschen zu manipulieren.

Der Versuchsaufbau: Versuchsteilnehmer sollten einen Fragebogen ausfüllen und die fehlende Worte in Liedtexten eintragen. Die Fragebögen bezogen sich auf Fragen wie kulturelle Diversität, andere Kulturen, Ausländer, etc. Wenn der Liedtext die Nationalhymne war, dann wurden die ragen interessanterweise anders ausgefüllt, als wenn der Liedtext von einem Kinderlied stammte. Insgesamt vielen die Antworten wesentlich “beschränkter” aus, wenn es die Nationalhymne war, und wesentlich offener wenn es ein Kinderlied war.

Natürlich wird niemand seine grundlegende Einstellung zu diesen Themen ändern, nur weil wir gerade ein Lied gehört haben. Und auch wenn man einem Linken 100 mal die Nationalhymne vorspielt, wird das nichts an seiner Gesinnung ändern. Genausowenig wie man Rechte mit Kinderliedern mäßigen kann.

Aber solche Studien zeigen, wie scheinbar unrelevante Kleinigkeiten unsere Denkweise und die Entscheidungen, die wir treffen beeinflussen. Dazu sei gesagt, dass in den USA die Nationalhymne wesentlich emotionsbesetzter ist als hierzulande.

Wenn wir uns bewusst werden, dass es Teil unserer menschlichen Natur ist, dass wir auf diesen Wegen beeinflussbar sind, dann verlieren diese Methoden der Manipulation an Effektivität. Im Grunde genommen ist das der gleiche Effekt, der auch beim Framing angewendet wird, und den “spin doctors” nutzen, um ihre Agenda`s zu pushen. Beispielsweise nennen Gegner der Abtreibung sich selbst “Pro-Life” (“für das Leben”), und bezeichnen Abtreibung als Babymord. Und bei Umfragen werden Fragen häufig so gestellt, dass die Ergebnisse bewusst zugunsten eines Ergebnisses beeinflusst werden.

Beispielsweise könnte jemand, der eine Gesetzesverschärfung des Einwanderungs-Gesetzes durchsetzen will einen Fragebogen wie folgt aufbauen:

  1. Sind Sie der Meinung, dass die Bundeswehr sich stärker im Afghanistan-Konflikt einsetzen sollte?
  2. Glauben Sie, dass der Einsatz der Bundeswehr die Gefahr terroristischer Anschläge in Deutschlant erhöht?
  3. Wussten Sie, dass einige der Terroristen die in die Terroranschläge des 11. September involviert waren in Deutschland studiert haben?
  4. Denken Sie, dass Zuwanderer aus osteuropäischen Ländern dazu beitragen, dass das Lohnniveau in Deutschland sink?
  5. Sind Sie der Meinung, dass das Einwanderungsgesetz in Deutschland verschärft werden sollte?

Allein durch die ersten vier Fragen wird so ein Rahmen geschaffen, in dem die Befragten eher geneigt sind, die letzte Frage mit “ja” zu beantworten. Doch auch viel subtileres “Priming” kann schon die Entscheidungen beeinflussen. Wenn wir uns bewusst sind, wie leicht wir Menschen – nicht nur andere, nicht nur “die Dummen”, sondern auch wir – Du und ich – beeinflussbar sind, dann ist das allein schon ein guter “Schutz” gegen Manipulation.

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