Auszeit nehmen

04.06.2011

Gleich vorneweg – dieser Artikel ist nicht für Leute, die wissen wollen welche Dokumente es braucht wenn sie eine Auszeit nehmen wollen, oder ob der Arbeitgeber die Krankenkasse zahlt, und wie man ein Sabbatical am besten aushandelt – wenn Du so etwas suchst, scroll direkt runter ans Ende der Seite. Für alle anderen: Hier geht es darum, was ein Sabbatical für Dein Leben bedeuten kann, und warum Auszeit nehmen sich lohnt.

Stefan Sagmeister ist ein erfolgreicher Designer (zu seinen Kunden zählen zum Beispiel die Rolling Stones). Er hat eine Designagentur in New York – und jeder der schonmal in New York gewesen ist, weiß, dass diese Stadt einen ganz eigenen Puls hat. Es ist keine Stadt für Leute die rumeiern wollen, sondern für Leute die was reißen wollen.

Deshalb ist es umso erstaunlicher, wie Stefan Sagmeister seine Agentur führt: jedes siebte Jahr macht er die Agentur für ein Jahr komplett zu. Und in diesem einen Jahr tut er nur das worauf er Lust hat. Er macht ein Sabbatjahr. Und so erstaunlich das für viele Menschen klingen mag: das ist gut für sein Geschäft.

Ich selbst war ein großer Freund von Sabbaticals schon lange bevor ich überhaupt wusste, dass es sowas gibt. Ich habe damals zwei Sabbatjahre in Folge gemacht – nur wurde das damals Schule schwänzen genannt.

Im Video beschreibt Sagmeister den derzeitig verbreiteten Lebensentwurf:

  • 25 Jahre lernen
  • 40 Jahre arbeiten
  • 15 Jahre Ruhestand

Und dann sagt er:

“Ich dachte, es könnte hilfreich sein, fünf von diesen Jahren vom Ruhestand abzuzweigen und sie zwischen den Arbeitsjahren wieder einzusetzen.”

Dabei geht es freilich nicht darum, ein Jahr lang am Strand zu liegen und Cocktails zu trinken. Ein Sabbatjahr ist kein langer Urlaub. Es geht darum zu experimentieren, Dinge zu tun zu denen man im Alltag nicht kommt, wichtige Lektionen für’s Leben zu lernen.

Das ist der Punkt an dem die drei Ebenen der Arbeit nach Jonathan Heidt ins Spiel kommen:

  • “Ich mache es für Geld”
    (und freue mich schon am Donnerstag auf’s Wochenende, und brauche ein Hobby als Ausgleich)
  • “Ich baue mir eine Karriere auf”
    (und frage mich insgeheim, ob all die harte Arbeit das wirklich wert ist)
  • “Ich folge meiner Berufung”
    (und würde das was ich tue auch tun, wenn ich nicht dafür bezahlt werde)

Du kannst ein Sabbatical nutzen um neue Herausforderungen zu finden. Um kreativer zu werden. Um neu zu entdecken, was wirklich wichtig ist für Dich.

Doch auch Auszeit nehmen will gelernt sein.

Stefan Sagmeister hatte damit im ersten Anlauf seine Schwierigkeiten… (das war bei mir genauso: mein erstes “Sabattjahr” verbrachte ich entweder bekifft, betrunken oder beides auf Spielplätzen und in Parks…), doch im Laufe der Zeit fand er heraus, wie er sein Sabattical sinnvoll nutzt. (So ging es auch mir – ich ging immer seltener auf die Spielplätze, und immer häufiger in die Bibliothek. Schule schwänzen um in die Bücherei zu gehen war eine der besten Entscheidungen meines Lebens).

Sabbaticals müssen nicht immer gleich Sabbatjahre sein – es gibt viele Arten wie Du eine Auszeit nehmen kannst.

Menschen und Firmen die verschiedene Arten von Sabatticals in ihr Leben integriert haben:

  • Ferran Adria, “der beste Koch der Welt”
    Sein Restaurant ist sieben Monate im Jahr geöffnet – und fünf Monate lang experimentiert er mit gleichgesinnten in seinem Küchenlabor. Sein Restaurant ist übrigens komplett ausgebucht – für viele Jahre im Vorraus.
  • 3M, der Chemiegroßkonzern
    dieses Unternehmen gibt schon seit den 30er Jahren seinen Ingenieuren 15% ihrer Arbeitszeit, in denen sie selbst entscheiden woran sie arbeiten wollen. Aus diesen 15% selbstbestimmter Zeit entsprangen zum Beispiel solche Produkte wie Tesafilm und Post-It Notizzettel.
  • Google, der Internetgigant
    gibt seinen Software-Entwicklern 20% selbstbestimmte Zeit

Handgreiflichere Ratschläge zum Thema Auszeit nehmen findest Du zum Beispiel hier:

Verwandte Themen bei DasDu.De:

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Franz Josef Neffe November 2, 2011 at 14:28

Wenn die alten Griechen so im Stress waren, dass sie sich selbst zu verlieren drohten, verdoppelten sie nicht – wie man das heute macht – ihre bewussten Anstrengungen und erschöpften ihre Kräfte vollends. Nein, sie gönnten sich eine Auszeit, eine Pause, um wieder zu sich selbst und zur Besinnung zu kommen, sich selbst wieder zu spüren, mit sich selbst wieder eins zu werden. SCHOLAE nannten sie diese überlebenswichtige Idee. Man möchte nicht glauben, was wir mit SCHULE heute daraus gemacht haben.
Freundlich grüßt
Franz Josef Neffe, Ich-kann-Schule-Lehrer

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