Der Milliardär, der sich in Bonn versteckte

12.06.2009

photo of Thaksin by www.kremlin.ru

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Thailand’s ehemaliger Premierminister Thaksin ist die vergangenen Monate in Bonn untergetaucht. In Thailand droht ihm eine zweijährige Haftstrafe. Jetzt hat man ihn in Bonn gefunden und zu verstehen gegeben, dass er sich dort nicht aufhalten darf.

Noch vor wenigen Jahren sah es mit Thaksin anders aus:  er verkaufte Firmenanteile im Wert von über 1 Milliarde Dollar. Als Premierminister war er einer der mächtigsten Männer des Landes. Viel wurde damals (hinter vorgehaltener Hand) gesprochen über die “Thaksinisation” des Landes, weil Thaksin nach und nach alle wichtigen Schlüsselpositionen mit seinen Getreuen besetze – in der Politik, in der Presse, in den Telekommunikationsunternehmen, bei der Polizei und beim Militär.

Heute lässt sich seine Lage am besten so beschreiben: in die Ecke gedrängt. Aus allerlei Ländern ist er nun schon verwiesen worden, und er hat sich zur Sicherheit mit einer ganzen Reihe an Reisepässen verschiedener Länder eingedeckt.

Thaksin war der ultimate Kontrollfreak. Doch auch “Kontrolle” hat ihre Grenzen. Denn wer ständig alles Kontrollieren muss, der kommt irgendwann aus dem ganzen Kontrollieren nicht mehr heraus und schwächt sich damit selbst.

Manchmal ist es Zeit zu akzeptieren, dass die Welt nicht nach unserem Willen verläuft (und trotzdem in Ordnung ist). Während meiner Arbeit als Masseur habe ich viele erfolgreiche Menschen kennengelernt, die “stresskrank” sind. Auf den ersten Eindruck erwecken sie Bewunderung (und manchmal Neid) bei anderen: kleine Villa im Grünen, teure Klamotten, Kinder auf Privatschule, eine Garage mit einem Familienauto, einem Auto für die Frau und drei “Spielzeugautos”, und bei manchen auch Ruhm und Rampenlicht. Und all das “selfmade”.

Respekt dafür, sage ich dann. Doch oftmals stehen diese Leute beständig unter enormen innerem Druck, und können nicht mehr abschalten. Das Tragische daran ist: sie sind dann nicht mehr imstande, den Erfolg, für den sie so hart gearbeitet haben, zu genießen und sich daran zu erfreuen. Und weil diese Freude ausbleibt, wollen sie noch mehr Erfolg – denn sie “wissen”, dass ihnen nur noch ein kleines bisschen zum Glück fehlt. Ein tragischer Trugschluss.

Viele Leuten sagen: die Werbung ist Schuld. Das Fernsehen ist Schuld. Dort wird uns das Luxusleben jeden Tag vorgeführt, Begehrlichkeiten werden geweckt.

Doch ich glaube, dass das Streben nach einem besseren Leben ein menschlicher Grundtrieb ist. Und in vielerlei Hinsicht durchaus gut und wünschenswert. Doch die Balance zu finden, ist nicht immer einfach.

Deshalb – ganz egal, wo im Leben Du gerade stehst – frage Dich: bin ich glücklich? Kann ich die Früchte meiner Arbeit genießen? Ist das Ziel, auf das ich hinarbeite wirklich ein Ziel, das ich selbst anstrebe? Oder strebe ich dieses Ziel an, um “es jemand anderem zu zeigen”. Sind es die Ideale eines anderen?

Du willst nicht ganz oben auf der Karriereleiter ankommen, nur um dann festzustellen, dass Du auf der falschen Leiter stehst.

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