Belohnungsaufschub

Belohnungsaufschub – Das Marshmallow Experiment

06.03.2011

In den 60er Jahren machte ein amerikanischer Psychologe ein Experiment mit Kindern. Er wollte mehr lernen über Belohnungsaufschub, und welche Rolle diese Fähigkeit im Leben eines Menschen spielt. Dieses lustige Video basiert auf diesem Experiment.

Der Psychologe stellte einem Kind einen superleckeren Marshmallow vor die Nase. Und dann sagte er dem Kind:

„Hier, Du hast einen Marshmallow. Ich gehe gleich aus dem Zimmer und komme in zwanzig Minuten zurück. Warte 20 Minuten und dann bekommst Du noch einen zweiten Marshmall dazu und kannst beide essen. Aber wenn Du den Marshmallow vorher aufisst, dann bekommst Du keinen mehr.“

Und dann ging er raus und ließ das Kind allein im Zimmer sitzen. Mit dem superleckeren Marshmallow direkt vor ihrer Nase.

Und hm… am Anfang versuchte so ziemlich jedes Kind der Versuchung zu widerstehen. Aber Belohnungsaufschub ist nicht so einfach. Vor allem nicht, wenn ein verlockender Marshmallow einem direkt unter der Nase liegt.

Die meisten Kinder haben es nur ein paar Minuten ausgehalten. Und schwupps, der Marshmallow war in ihrem Mund verschwunden. Und damit auch ihre Chance auf einen zweiten Marshmallow.

Abgesehen davon, dass es lustig ist zuzusehen, wie die Kinder versuchen den Marshmallow nicht zu essen, steckt jedoch eine wichtige Einsicht in diesem Experiment:

Manche Menschen sind besser zum Belohnungsaufschub in der Lage als andere.

Man könnte auch sagen, dass Sie über größere Selbstkontrolle verfügen. Sie sind imstande kurzzeitig auf etwas zu verzichten das sie gerne haben oder tun wollen, wenn es langfristig für sie einen größeren Gewinn bringt. (Zum Beispiel statt einen Marshmallow gleich zwei).

Diese Fähigkeit ist nicht so bedeutsam wenn es um Marshmallows geht. Aber Belohnugsaufschub spielt in allen Bereichen des Lebens eine wichtige Rolle.

Ganz egal was Du tust – ob es im Berufsleben oder im Privatleben ist – wenn Dir Belohnungsaufschub leicht fällt, hast Du bessere Grundlagen um Dich erfolgreich in der Welt zu bewegen.

Belohnungsaufschub = Erfolg in der Schule

Interessant ist auch, dass die Fähigkeit Belohnungen aufzuschieben ein recht sicherer Indikator für akademischen Erfolg ist. Sogar noch sicherer als IQ (Intelligenzquotient).

Kinder die imstande sind, Belohnungen aufzuschieben sind oftmals nicht nur in der Schule erfolgreicher, sondern kommen auch im Sozialleben besser zurecht. (Das sind also nicht die Streber, die von ihren Klassenkameraden gehänselt werden, sondern im Gegenteil oftmals die, die in der Oberschule von ihren Mitschülern am meisten respektiert werden – das haben Befragungen gezeigt, die viele Jahre später nach dem Marshmallow Experiment durchgeführt wurden).

Auch haben Kinder denen Belohnungsaufschub leichter fällt in der Regel ein stärkeres Selbstbewusstsein als Kinder, denen es schwer fällt eine Belohnung aufzuschieben.

Beispiele, wo Belohnungsaufschub für uns in unserem Alltagsleben eine Rolle spielt?

Nun, ein Beispiel ist die Entscheidung: Gucke ich heute abend fern und bestelle mir eine Pizza oder mache ich Sport und esse einen Salat?

Fernsehen und Pizza ist eine Belohnung im hier und jetzt und gibt sofort gute Gefühle. Aber leider auf Kosten des langfristigen Glücks. Wer jedoch Sport macht und einen Salat ist, der verzichtet kurzzeitig auf einen schönen Fernsehabend mit leckerer Pizza, aber wird dafür langfristig umso größer belohnt.

Psychologen nennen so etwas „intertemporale Entscheidungen“, weil es eine Wahl zwischen einer Belohnung zu verschiedenen Zeitpunkten ist.

Der amerikanische Psychologe Walter Mischel von der Stanford Universität, der das Marshmallow Experiment in den 60er Jahren durchgeführt hat, hat einen großen Beitrag zu unserem Verständnis der menschlichen Natur geleistet. Und das mit einem ganz einfachen Versuchsaufbau, ohne komplizierte Maschinen.

Forscher haben herausgefunden, dass ein bestimmter Teil unseres Gehirns besonders wichtig für die Fähigkeit ist, Belohnungen aufzuschieben. Es ist der präfrontale Kortex.

Gratifikationsaufschub ist ein wichtiger Bestandteil von Selbst-Disziplin. Und auch wenn das (gerade in Deutschland) für viele ein negativ besetzter Begriff ist: Disziplin ist eine wichtige Eigenschaft für ein glückliches Leben.

Das nächste mal, wenn Du Dich von einem Stück Schokolade in Versuchung geführt fühlst, weißt Du: hier habe ich eine Gelegenheit mich im Belohnungsaufschub zu üben. Denn tatsächlich ist das eine Fähigkeit, die Du trainieren kannst.

Und wenn Du Dich belohnst, kann belohne Dich doch mit Dingen die zum Glück langfristig viel mehr beitragen. Ein paar Tipps dazu findest Du im Beitrag Womit belohnst Du Dich? 🙂

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