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Kinder Hygiene: vor Bakterien schützen oder “Immunsystem abhärten”

09.12.2009

Im letzten Jahr ist der Umsatz von Hand-Desinfektions-Gels um 70% gestiegen, wohl größtenteils weil Menschen sich vor der Schweinegrippe schützen möchten. (Die Hersteller von den kleinen Plastikfläschchen, in denen die Hand-Desinfektionsmittel ausgeteilt werden können nicht genügend Fläschchen produzieren, um den Bedarf zu decken). Und auch sonst werden Eltern in aller Welt ermahnt, ihre Kinder vor Viren und Bakterien zu schützen.

Doch die sterile, desinfizierte Welt, die viele Eltern für ihre Kinder schaffen ist vielleicht nicht ganz so gesund, wie sie glauben. Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass Menschen die zu stark vor Krankheitserregern beschützt wurden später im Leben krankheitsanfälliger werden.

Scheinbar lernt das menschliche Immunsystem in den ersten Lebensjahren wie es sich verteidigt. Wenn es jedoch zu stark geschützt wird, durch Händedesinfektion, Desinfektionstücher und übertriebene Hygienemaßnahmen, dann fehlt ihm genau diese Lernerfahrung.

Eine kürzlich veröffentlichte Langzeitstudie der Northwestern Universität hat gezeigt, dass Menschen, die in der Kindheit stark vor Keimen geschützt wurden, später im Leben häufiger an Entzüdungen leiden.

Eine andere Studie aus dem Jahr 2009 hat gezeigt, dass der Schutz vor Allergien sich bereits im Mutterleib entwickelt – zumindest bei Mäusen.

Dreckige Schweine leben gesünder

Eine andere Studie mit Schweinen hat gezeigt, dass Schweine die im Dreck wühlen gesünder sind als Schweine, die in hygienischer Umgebung gehalten werden.

Über das Schweineexperiment hat kürzlich auch der Spiegel berichtet.

Auch wenn Kinder keine Schweine sind – seit David Strachan seine Hygiene-Hypothese Ende der 90er bekannt gemacht hat, bestätigen immer mehr Studien, dass übertriebene Hygiene eben doch “zuviel des Guten” ist.

Ergänzung vom 10. Mai 2011: Eine weitere Studie hat gezeigt, dass Bauernhof-Kinder auch seltener an Asthma erkranken. Auch hier sehen Forscher einen Zusammenhang damit, dass diese Kinder öfter mit Umweltgiften in Kontakt kommen, und ihr Immunsystem so abhärten.

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Rena September 8, 2010 at 12:36

Guter Artikel!Ich habe selber die erfahrung gemacht, dass Kinder die früher nix durften:also nie raus, nicht im Dreck soielen,nicht auf Bäume klettern…ziemlich anfällig für Krankheiten und Allergien aller art waren. Ich denke also, dass an der Theorie,dass ein bißchen Dreck abhärtet, durchaus was dran ist.
Ich habe in einem Artiel auf der Seite
http://www.9monate.de/allergien.html
auch gelesen, dass Allergien infoge von einem schwachen Immunsystem auftreten. Macht also sinn sich und seine Kinder gescheit abzuhärten und auch mal ein wenig im Dreck “Matschpampe” machen zu lassen 😉

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Simi December 30, 2010 at 12:19

Hi,
sehr interessant. Dann war es also vorteilhaft, dass ich in meiner Kindheit nicht von Dreck ferngehalten wurde 😉
Immer schön im Schlamm spielen härtet ab 🙂

Wenn du mal eine Checkliste für Hygiene ansehen möchtest schau mal auf http://www.hyendehygiene.de vorbei. Ich habe dort sehr hilfreiche Informationen gefunden.

Schöne Grüße
Simi

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