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Neukundengewinnung: So wirbt ein Aussteiger (langsam, aber sicher)

03.12.2009

Vor ein paar Wochen war ich auf einer kleinen thailändischen Insel. Dort habe ich mich unter anderem mit Dscho unterhalten. Dscho war Beamter – in Thailand steht jeder der für die Regierung arbeitet in hohem Ansehen, und natürlich ist da noch der Vorteil der 100%igen Jobsicherheit.

… Ich frage mich immernoch wer sich das ursprünglich mal ausgedacht hat. Ja, angeblich sollte es ja ein Anreiz sein kompetentes Personal einstellen zu können – aber welche Art von Leuten zieht es wirklich an, wenn man sagt: sobald Du für uns arbeitest garantieren wir Dir, dass Du ein Leben lang Deinen Job behalten kannst, und nie gefeuert wirst (egal wie faul, unzuverlässig, inkompetent oder unfreundlich Du Dich anstellst…)… aber das ist ein anderes Thema…

Jedenfalls hatte Dscho nach ein paar Jahrzenten Beamtendasein die Nase voll, hat gekündigt und vor acht Jahren ein kleines Ressort auf einer kleinen Insel aufgemacht. Damals gab es so gut wie keine Touristen dort, Land war billig zu haben, und so konnte er auch ohne viel Geld dort ein kleines Stück Strand kaufen.

Ein paar Jahre später reichte ihm einer der Gäste beim Auschecken seine Karte: ein Lonely Planet Autor.

Dscho ist froh dass er sich nicht mehr mit BüroPolitik rumschlagen muss, keinen Vorgesetzten in den Hintern kriechen, keine unsinnigen Vorschriften befolgen muss, sondern stattdessen jeden morgen in seinem eigenen kleinen Stückchen Paradies aufwacht. Und das merkt man ihm an. Er behandelt seine Gäste so, wie er auch gern behandelt werden möchte.

Das hat ihm dann einen empfehlenden Eintrag im Lonely Planet eingebracht, und seitdem kommen 80% aller Gäste wegen des Lonely Planets. Dafür muss er nichts zahlen, keinen Vertrag mit einer Agentur abschließen, und und und. Stattdessen kann er seine Zeit dazu nutzen, das Ressort sorgfältig zu betreiben, die Leute gut zu behandeln und Fischen zu gehen.

Wir haben auch ein anderes Ressort besucht, das deutlich prominenter und “erfolgreicher” beworben wurde. Dort wurde uns das falsche Essen serviert, dann hat die Bedienung gelogen und gesagt, dass wir falsch bestellt hätten und es deshalb unser Fehler sei, geschmeckt hat’s auch nicht, und bei der Abrechnung haben sie sich “verrechnet”, aber das auch erst erkannt nachdem sie es (unfreundlich) abgestritten haben.

Die Moral von der Geschichte: Dscho fährt mit seinem Konzept wesentlich besser. Er ist nicht so erfolgreich wie das andere Ressort, aber dafür ist er glücklich mit seinem Business und tut was ihm Freude macht. Um Kunden braucht er sich überhaupt nicht mehr zu kümmern, die finden ihn von alleine. Das andere Ressort ist zwar größer, imposanter und macht offensichtlich mehr Umsatz – aber die Leute die dort arbeiten machen den Eindruck als seien sie so glücklich wie Leute die im Callcenter Lotterielose verkaufen. Und je länger sie ihr Geschäft so betreiben, desto schwieriger wird es neue Kunden zu finden, denn irgendwann wird ihnen der schlechte Ruf vorrauseilen. Bei Dscho ist es umgekehrt.

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