0-Kanal-Fernsehen

29.11.2009

Vor ein paar Wochen war ich in Phnom Penh, Cambodia. Wenn ich in einer neuen Stadt bin gehe ich am liebsten zu Fuß durch die Straßen um einen Eindruck vom Leben zu bekommen, und Phnom Penh hat definitiv seinen ganz eigenen Vibe – alles sehr entspannt, gechillt und frei von Hektik (ganz anders als das ständig verstopfte Bangkok, in dem die Leute TROTZ der Stadt entspannt sind, nicht wegen).

Beim Tempelgucken sprach mich dann ein Mönch an und lud mich zum Essen mit den Mönchen ein, oder zumindest sollte ich doch etwas trinken, schließlich sei es verrückt bei der Mittagshitze im Freien rumzulaufen. Zu essen gab es “Ambok” – Reis wird (trocken) erhitzt und dann gestampft, bis er ganz platt ist. (Stell es Dir vor wie Haferflocken aus Reis…)

Dazu gab es Zucker, und eine Flasche Wasser.

Die Unterhaltung mit Vhirak war interessanter als das Essen. Er war Mönch seit seinem dritten Lebensjahr, und war jetzt 27. Bei all den Dingen, über die wir uns unterhalten haben hat mir doch eines im Nachhinein am meisten zu denken gegeben: er hat noch nie in seinem Leben Fernsehen geguckt.

In meinem Hotel gab es 60 verschiedene Kanäle, und Hotels und die Wohnungen von Freunden sind so ziemlich die einzigen Orte, an denen ich mal in die Glotze schaue. Aber dass es (in einer Stadt) Menschen gibt (die Mobiltelefone haben, und Email Adressen), und noch nie im Leben Fernsehen geguckt haben…

Es gab mal eine Zeit, da gab es drei Fernsehkanäle. Dann kam das Kabelfernsehen, und immer mehr neue Kanäle. Und heute können wir dank Podcasting, YouTube und anderen Videoportalen zwischen Abertausenden von “Kanälen” zappen auf der Suche nach Unterhaltung und Information.

Glücklicherweise kann Vhirak nicht fliegen, Feuerspucken, Gedankenlesen oder verfügt auch über keine sonstigen Superkräfte, die mir durchs Fernsehgucken abhanden gekommen sind – und er hat mir versichert, dass auch er mal einen schlechten Tag hat, sich Sorgen macht, gerne ein schickeres Handy hätte, Frauen manchmal auf den Hintern schaut, und, und, und.

Bis auf die Tatsache, dass er ein bisschen entspannter und ein bisschen lustiger ist, als die meisten Menschen die entspannter und lustiger als die meisten Menschen sind, ist mir an ihm auch nichts Besonderes aufgefallen. So sind wir uns doch alle ähnlich 🙂

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