Mit der Haut hören, mit den Ohren sehen

28.11.2009

Körper, Gehirn und Sinnesorgane, die Aufgaben scheinen klar verteilt, zumindest in dem Modell des Menschen, dem die meisten von uns anhängen. Gehört wird mit den Ohren, gesehen mit den Augen, geschmeckt mit der Zunge, gerochen mit der Nase, gefühlt mit der Haut.

Aber Bryan Gick ist anderer Ansicht – er glaubt, dass wir Menschen “Ganzkörper-Wahrnehmungs-Maschinen” sind, also mit dem gesamtem Körper wahrnehmen (und zum Beispiel auch mit den Augen hören können, und mit der Haut hören können).

Ein Experiment hat gezeigt, dass wenn wir Menschen sehen, die ihre Lippen bewegen ganz von alleine der Teil unseres Gehirns aktiviert wird, der akustische Signale verarbeitet – auch wenn es garnichts zu hören gibt. Zuerst dachten die Wissenschaftler, dass das eine angelernte Reaktion sei (schließlich ist es üblicherweise so, dass wir etwas hören, wenn wir sehen wie jemand seine Lippen bewegt). Aber weiteres Forschen führte zu anderen Ergebnissen.

Sie spielten Versuchspersonen dann Aufnahmen vor, auf denen ein Sprecher die Laute pa, ba, ta, da aufsagte. Den Versuchspersonen wurden die Augen verbunden, und je nachdem welchen Laut sie gehört haben sollten sie auf einen von vier Knöpfen drücken.

Die Versuchspersonen wurden in drei Gruppen aufgeteilt:

  • Gruppe A: hören, leichter (lautloser) Luftstoß auf Handrücken beim Hören der Laute
  • Gruppe B: hören, leichter (lautloser) Luftstoß auf den Nacken beim Hören der Laute
  • Gruppe C: nur hören, kein Luftdruck

Von den Leuten, die einen leichten Luftstoß beim Hören der Laute bekamen, wurden ungefähr 10% der ba’s as pa’s, und der da’s als ta’s falsch “gehört”.

Das ist noch ein gutes Stück von der plakativen Aussage “die Haut kann hören” entfernt, aber es zeigt doch, dass das was wir hören eben nicht nur von unseren Ohren, oder gar unserem Gehörsinn beeinflusst wird, sondern dass vielmehr unser Gehirn verschiedene Sinneseindrücke sammelt, verarbeitet und dann auf seine ganz eigene Weise interpretiert.

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