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Minderwertigkeitskomplexe überwinden

18.10.2009

Im Leben bieten sich reichlich Gelegenheiten Minderwertigkeitskomplexe anzusammeln. Fettsack, Brillenschlange, Dummkopf, blöde Kuh, sind noch die harmlosesten Worte, die uns im Laufe der Jahre an den Kopf geworfen werden (oftmals von der “eigenen Stimme im Kopf”). Manches prallt an einem ab und manches nimmt man sich zu Herzen, und es bleibt hängen. Und das wieder loszuwerden ist manchmal garnicht so leicht.

Die erste Reaktion auf Minderwertigkeitsgefühle ist oft Verteidigung. “Ich bin kein Dummkopf!” “Selber blöde Kuh!”

Im Laufe der Jahre werden die Kränkungen und Beleidigungen – und unsere Verteidigungen – dann oft subtiler. Es ist dann garnicht mehr nötig, noch jemandem “Niete!” an den Kopf zu werfen. Ein herablassender Blick zum richtigen Zeitpunkt reicht schon völlig aus, oder eine gekonnte Stichelei. Und wir kompensieren auch gekonnter: mit einem teurem Auto, einem größeren Haus, eindruckschindender Kleidung…

Niemand kann sich solchen Gefühlen wie Geltungsdrang ganz entziehen – und oft vergleichen wir uns mit anderen, ganz automatisch.

Gutgemeinte Ratschläge sind dann auch oft: Sprich Dir selbst gut zu. Sag Dir selbst, dass Du es kannst, schreibe Deine positiven Eigenschaften auf. Mach Sport, das stärkt das Selbstbewusstsein. Besuch einen Rhetorikkurs um schlagfertiger zu werden. Hol Dir eine Hypnose CD für mehr Selbstbewusstsein.

All diese Dinge sind schön und gut und können helfen – aber eines wird oft übersehen:

Minderwertigkeitsgefühle überwinden indem Du andere höher schätzt

Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen blicken oft auf andere herab. Das hat zwei Gründe:

  1. Es “schützt” sie dann auch vor Kränkungen (es ist viel schwerer, von jemandem gekränkt zu werden der auf der sozialen Rangleiter unter einem steht, als einem, der über einem steht).
  2. Es befriedigt ihr Bedürfnis, ihren eigenen Wert bestätigt zu wissen. “Ich bin besser als der, und der, und der…” (auch, wenn der Gedanke nicht genau so gedacht wird, sondern meist “versteckt” ist).

Wenn Du in manchen Situationen mit Minderwertigkeitsgefühlen zu kämpfen hast, dann ist es vielleicht an der Zeit Dich zu fragen: wie beurteile ich andere Menschen? Sehe ich auf sie herab? Halte ich ihr Verhalten für falsch oder schlecht?

Nicht unbedingt in allen Lebenslagen – aber in bestimmten Bereichen. Wenn Du diese Gedanken erkennst, und dann ganz bewusst gegensteuerst, wirst Du überrascht sein, wie schnell so ein Minderwertigkeitskomplex sich auflösen kann.

Es ist nur natürlich sich bei Minderwertigkeitskomplexen gleich auf sich selbst zu fokussieren – die eigenen Stärken, Leistungen, und so weiter. Aber vermutlich hast Du schon einige Zeit versucht diese Minderwertigkeitsgefühle zu überwinden, und sie sind immernoch da. Vielleicht hat es ja damit zu tun, wie Du andere Menschen betrachtest. Wenn Du Deine Aufmerksamkeit einsetzt, um die guten Seiten in anderen Menschen zu entdecken, wirst Du auch das Gute in Dir klarer erkennen können.

Sei glücklich,
Ramin

PS: Minderwertigkeitskomplexe zu behalten ist einfach und bequem. Denn oftmals sind sie es, die uns davon abhalten unbequeme Vorhaben anzupacken und aktiv zu werden.  Wenn Du schon lange vergeblich mit Minderwertigkeitsgefühlen kämpfst, dann check auch mal, ob es nicht doch Gründe gibt, warum ein Teil von Dir sich so schwer tut die Minderwertigkeit loszulassen…

Foto:Brandon Blinkenberg

{ 19 comments… read them below or add one }

Rainer October 18, 2009 at 22:47

Danke für diesen Denkanstoß. Hat mich auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht.
Viele Grüße

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lamise February 23, 2010 at 20:32

Ich fühle mich echt manchmal wertlos und vergleiche mich seeehr oft mit Klassenkameradinnen. Ich werde in Zukunft echt mal ausprobieren, in anderen Menschen das Positive zu sehen. Danke 🙂
Liebe Grüße

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Ramin March 29, 2010 at 18:44

Hi Lamise,
danke für Deinen Kommentar, ich bin mir sicher, dass Du in Zukunft Wege findest Deinen eigenen Wert mehr zu erkennen und zu schätzen und mit anderen zu teilen 🙂
Viele Grüße,
Ramin

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dylan March 15, 2010 at 18:12

Minderwertigkeitskomlexe kann man nur überwinden, in dem man seinen eigene Wert kennt und schätzt.

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Ramin March 29, 2010 at 18:51

Ich glaube es gibt sehr wenige Probleme, die man nur auf eine Weise lösen kann 🙂

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johanna May 12, 2010 at 20:08

Danke Ramin,

so etwas hatte ich im Ansatz auch schon gedacht vor ein paar Tagen.

Ich weis zwar noch nicht WIE ich in den anderen das Positive sehen kann, aber ich arbeite daran.
DANKE!

Eine Frage noch:
Wenn ich in anderen so viel Positives entdecke, fühle ich mich dann nicht noch schlechter und noch kleiner?

Liebe Grüsse

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Leila May 13, 2010 at 20:36

ich glaube auch, dass ich Minderwertigkeitskomplexe habe. Aber ich schaue nicht auf andere herab, eher anders rum. Ich halte andere (JEDEN!) für besser als mich selbst. Oft für VIEL besser… das macht mir echt zu schaffen.

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Julian May 18, 2010 at 11:54

Sehr gute Beschreibung und auch die Lösungsvorschläge gefallen mir gut nur vermisse ich eben diesen Anstoß der mir eine neue Idee gibt wie ich das problem angehen kann.
Leider bin ich schon auf selbst auf die Idee gekommen die oben genanneten dinge zu versuchen sie haben mir jedoch nicht sehr geholfen. Es gibt menschen auf die blickt man einfach herab und andere zu denen man hinaufblickt natürlich erkennt man selbst bei den Menschen auf die man herab blickt gute eigenschaften aber es gibt doch eben diese Eigenschaft die schwäche anderer durch sticheleien zu seinem eigenen vergnügen auszunutzen. Ist diese Eigenschaft nicht verabscheuenswürdig genug um auf einen Menschen herab zu blicken?( verzeit die rechtschreibung… nicht grade eine meiner stärken 🙂 )

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leo May 20, 2010 at 19:33

hey ich habe das nicht so verstanden warum soll ich bitte bei nem anderen das gute suchen??
dann kommt man sich dochg noch viel dümmer vor weil ich mein vllt kann ja der anderre was was ich dann nicht kann…
folge—-> neue koplexe

hmm meinst du wirklich das hilft??
wenn ja warum??

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Moritz Matteo June 23, 2010 at 22:42

Ich danke dir wie viele andere auch für diesen Denkanstoß. Ich selbst fühle mich im moment eher schlecht weil ich bei einem Vorhaben versagt habe, das für mich nicht sonderlich wichtig war aber deren Nichtvollendung im Konflikt mit den Ansichten anderer steht. Oder erscheint es mir nur so? Ich dachte heute einfach, dass ich das überwinden möchte und dein Beitrag hat mir sehr weitergeholfen. Denn jetzt habe ich eine Perspektive.

Danke

MFG Moritz Matteo

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rückwärtssalto July 18, 2010 at 12:18

ich habe auch einen (..vielleicht mehr? gibts es einen plural?) minderwertigkeitskomplex. früher hab ich ihn gar nicht gesehen – mir kommt das sehr bekannt vor, das mit dem auf andere von oben herab zu schauen – und seitdem ich von meinem freund betrogen wurde, blinkt er mir ständig vor den augen. als ich von seinem fremdgehen erfuhr, reagierte ich völlig cool und diplomatisch, sah auf das beziehungsdreieck von “oben” um einen überblick zu bekommen und so gut es geht überlegt zu handeln. resultat war, dass ich mitleid hatte mit meinem freund, dass er sich so eine situation mit den konsequenzen antat (krise, vertrauensentzug, etc…) und mit ihr auch, dass sie sich am “täter”dasein beteiligte und in eine beziehung einbrach (so etwas kostet ja auch kraft und energie…) . jedenfalls kamen mit der zeit (nun einige monate her…) immer mehr meine eigenen gefühle hoch, ich begann mich mit ihr zu vergleichen (etwas das ich von anfang an zu vermeiden versuchte), sah (und sehe noch immer) mir ihre bilder im internet stundenlang an, stellte mir die zwei zusammen vor und je mehr ich in diese richtung zuließ, desto schlechter, kleiner, bedeutungsloser, unattraktiver, uninteressanter, pessimistischer, selbstmitleidiger, ungehörter, älter, unnützer, verstaubter und passiver kam ich mir vor. ich komm auch gar nicht mehr aus diesem loch heraus. auch was den job angeht bricht plötzlich diese welle über mir zusammen. ich gönne meinem freund seine letzten großen beruflichen erfolge gar nicht mehr, auch meinen arbeitskollegen nicht mehr. stattdessen sehe ich immer nur auf mein umfeld und filter heraus, was ich alles .nicht. habe. ich fühle diesen schmerz in form eines feurigen, unschluckbaren kloßes im hals.

ich bin am überlegen ob ich die sanierungsarbeit alleine schaffe und schaffen kann, mit reflexion, vielen kleinen schritten und der tagtäglichen entscheidung mich zu ändern – oder ob ich das in form einer therapie lösen möchte.

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Anna July 28, 2010 at 12:14

ich habe sehr starke minderwertigkeitskomplexe,hat meine therapeutin gesagt und das sie langsam so schlimm wären,dass ich in eine klinik müsste. Ich habe sie jetzt schon seit über einem jahr,ich vergleiche mich auch seeehr oft :D, ich sehe auf viele herab,weil sie nicht so beliebt sind wie ich,meine freundin sagt ich sei aufgesetzt und bräuchte nur aufmerksam,vielleicht versuche ich mich selber durch viel sex zu bestätigen,aber das schlimmste ist,dass ich fast jeden tag weine und so verzweifelt bin,weil ich mich wertlos und verdammt hässlich fühle. Ich würde mich oft sehr gerne dafür umbringen,ritzen mache ich dann auch,irgendetwas womit ich mir selber beweise wie unlebenswert ich bin,weil ich so hässlich bin. Jungs geben mir viel selbstbestätigung,ich will ja auch nicht alle fragen,ob sie mich schön finden und wenn ja lügen sie aus freundlichkeit. es hat angefangen,als mein erster freund grundlos mit mir schluss gemacht hat,ich habe schwere depressionen,bitte helft mir.

Liebe grüße an die anderen,
Anna aus Wuppertal

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biene July 30, 2010 at 18:40

ich find den denkanstoß von ramin super. seitdem ich andere nicht mehr so sehr abwerte, fällt es mir viel leichter, mir eigene unzulänglichkeiten zu verzeihen.
und die leistungen und stärken anderer anzuerkennen macht mich keineswegs schlechter, sondern ich fühl mich viel besser. und ich sehe mittlerweile auch das ein oder andere gute bei mir. und kann es stehen lassen. einfach so.

also, probiert es halt einfach mal aus. schaden kanns nix. aber erwartet keine wunder, ich hab auch ganz schön lang gebraucht, um es immer besser umzusetzen und erste ergebnisse zu fühlen.

lg biene

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xXx October 18, 2010 at 03:32

Genau so gehts mir auch,dieser Text hier spricht mir aus der Seele!

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markus November 1, 2010 at 06:44

danke, danke, danke ich habe gerade meine beziehung sehr strapaziert durch meine komplexe. ich bin eifersüchtig und kann nur sehr schwer glauben das meine sehr hübsche freundin mich liebt und denke immer wieder daran warum sie mich liebt. ich habe mich über die leidenschaft die mit eifer leiden schafft etwas mehr belesen und musste erkennen das das grund problem in mir und meiner betrachtungsweise liegt. ich muss selbstwertgefühle stärken und aufbauen. ich zweifel immer wieder an mir ohne ersichtlichen grund ich bin sehr gut in meinem gutbezahlten job ich bin bei freunden beliebt und alles und trotzdem habe ich diese gefühle. und auf einmal lese ich das es daran liegt wie ich menschen betrachte und genau diese basis hat mir gefehlt ich danke ihnen von ganzen herzen für diesen sehr guten bericht und ich hoffe wirklich das ich durch diese weisen worte etwas besser zurück finde danke sie haben mir wieder ein lächeln geschenkt

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hottelbo February 13, 2011 at 23:51

hallo,
etwas habe ich leider aber noch nicht verstanden. Wenn Mann nun ein kleiner (1,69m) und eher zarter Typ (blond und schlank, so gut wie bartlos), so wie ich es bin. Dann haben meine Minderwertigkeitskomplexe doch nichts damit zu tun wie ich die anderen sehe. Ich fühle mich einfach zu klein und zu unmännlich (was manche Frau auch schon indirekt so bestätigt hat). Wie gehe ich denn mit so was um? Ein bisschen schäme ich mich, weil ich das noch nie so offen geschrieben habe. Ich wollte mir schon die Beine brechen lassen und verlängern lassen, damit ich 5 cm größer bin, hinzu noch ein paar Testosteronspritzen für mehr Bartwuchs. Meine innere Stimme sagt aber, dass das Schwachsinn ist. Trotzdem habe ich Beklemmungen und Hemmungen wenn ich mit anderen Menschen (Männern) zusammen bin, die mir biologisch überlegen sind. Dann ist der Moment da, wo ich mich wirklich wertlos fühle.
Jetzt frage ich einfach mal, was für ein Tip hast du für mich?
Lg

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katzeamfenster March 3, 2011 at 16:33

hallo,
ich habe immer gedacht, niemand kann mich leiden, weil ich mich auch nicht leiden kann. Und, weil mich niemand leiden kann, meines Erachtens, kann ich die auch nicht leiden. Also, an die Umkehrtheorie von Ramin gehe ich einfach mal ohne darüber nachzudenken heran. Ich versuch die Leute wieder leiden zu können und die kommen dann wahrscheinlich eh positiver auf mich zu als vorher. Und, wenn ich das spüre, dann geht es mir gut. Und muss mich anstrengen, nicht zu denken, dass die mich nur verarschen wollen mit ihrer Nettikeit. Oftmals kommt alles so sarkastisch rüber, was die mir sagen. Ein hartes Stück arbeit kommt auf mich zu…

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Amy April 3, 2011 at 18:05

Genau, wie ist das eigentlich wenn man Minderwertigkeitsgefühle hat wegen dem Aussehen? Wenn mir jemand unschöne Worte an den Kopf knallt oder mich kritisiert (nicht konstruktiv) kann ich damit eigentlich ziemlich gut umgehen, da ich dies einfach nicht ernst nehme, mich trotzdem aber auch hinterfrage ob was dran ist (bei der Kritik). Macht jemand aber eine abschätzige Bemerkung über mein Aussehen könnt ich Wasserfälle heulen. Das ist wie ein Stich in den Bauch und macht mich total unsicher. Dies weil ich auch nicht mit mir selber zufrieden bin..und ja, auch ich bin eine von denen, die sich mit anderen vergleicht. Ich denk dann oft “ich wünscht ich hätt dieses Aussehen auch…oder hätte dies oder das so wie sie” ich stelle diese Personen dann oft wie auf ein Podest und ich fühl mich ganz klein und elend..ich find mich dann NUR noch hässlich! Das führt dann auch zum Gedanken, dass mich Männer nicht attraktiv finden und dass ich nicht begehrenswert bin. Es ist ein Teufelskreis!

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Anonymous May 12, 2011 at 14:56

“Ich bin Leben, das leben will, umgeben von Leben, das leben will.”
(Albert Schweitzer)

Auch ich bin gerade auf der Suche, meine Minderwertigkeitskomplexe zu überwinden. Aber was bringt es uns “Minderwertigen” denn, wenn wir andere als ‘höherwertig’ betrachten? Meiner Meinung nach müssen wir den Schlüssel finden, mit dem wir uns und andere als “gleichwertig” ansehen. (Vielleicht meint Ramin das ja wenn er sagt, dass wir andere “schätzen” sollen.) Nur dann können wir uns unter anderen – gleichen – Menschen wohlfühlen.

Und niemals vergessen: Auch andere Menschen, die uns umgeben, könnten gerade dabei sein ihre Minderwertigkeit – in welcher Form auch immer – an uns abzubauen! (Immerhin ist “Minderwertigkeit” und ihre Überwindung dem Psychologen Oliver Brachfeld zufolge ja ein Grundmotiv.) Begegnet deshalb ihnen – und auch allen anderen – mit Respekt!

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