Gemuese

Vegetarier werden – und warum ich keiner mehr bin

17.10.2009

Seit gestern ist vegetarische Woche in Thailand. Wo sonst Fleisch, Fisch und Ei herhalten muss, greifen Köche jetzt zu Pflanzen, Pilzen und Algen. Wer denkt, dass es hier ums “Verzichten” geht, der irrt. Es geht eher darum, all das zu zelebrieren, was man auch ohne das Töten von Tieren genießen kann. Fülle und Vielfalt, an allen Ecken neue Naschereien und Gerichte, und Köche die sich gegenseitig versuchen zu übertrumpfen mit ihrem “falschen Fleisch” (auf natürliche und traditionelle Weise zubereitete Pflanzen, die aussehen, riechen und schmecken wie Fleisch).

Ich mache mit einfach weil es so viel Spaß macht und so lecker ist. Ich glaube nicht wirklich daran, dass vegetarisch zu leben besser ist. Und mein Mitleid mit den Tieren ist nicht so ausgeprägt wie meine Freude am Genuss eines gegrillten Huhns.

Ich habe vor vielen Jahren mal “Vegetarier sein” ausprobiert. Da hatte ich Ghandi gelesen, und Einstein, und über DaVinci, und einige andere Leute auf deren Rat ich etwas hielt, und probierte es aus. Eineinhalb Jahre lang kein Fleisch. Nach einigen Monaten bemerkte ich jedoch immernoch keine Veränderung in meinem Befinden – werder körperlich noch geistig. Und ließ dann irgendwann auch noch Fisch, Eier, Milch, Butter, etc. weg. Als das immernoch keine Wirkung zeigte, wurde ich wieder zum Allesfresser.

Mittlerweile glaube ich, dass es fast noch wichtiger ist wie wir essen, als was wir essen. Die Gedanken, Gefühle und Einstellung, die wir haben wenn wir essen machen einen größeren Unterschied für unser Befinden aus, als Fleisch vs. Pflanze.

Das wird sich zwar kaum objektiv bestätigen lassen – aber für mich ist ein richtig genossenes Würstchen gesünder ist als ein heruntergestopfter Salat.

Und ich glaube, wenn man “richtig genießt”, dann unterscheidet der Körper schon ganz von alleine was gut ist und was nicht, und man genießt automatisch gesünder. Und der wird auch von ganz allein das richtige Verhältnis von Würstchen vs. Sellerie finden. (Wer aber 30 Kilo Übergewicht hat, und denkt, dass er seine Würstchen “richtig genießt”, der sollte vielleicht nochmal andere Genussstrategien kennenlernen…)

{ 6 comments… read them below or add one }

Jürgen October 17, 2009 at 22:19

Hallo Ramin.
ich war zwar noch nie Vegetarier, habe aber mal einige Jahre ziemlich “vollwertig” gelebt. Alles sollte aus biologischem Anbau, wenn es ging sogar noch biologisch Dynamisch (Demeter).
Mit der Zeit wurde das richtig zwanghaft. Es hatte zwar gut geschmeckt, doch ich hatte öfters mal Lust ne Currywurst etc. zu Essen. Habe es mir allerdings selbst verboten, da es ja nicht gesund sein konnte.
Diese Phase habe ich seit Jahren wieder hinter mir. Nun esse ich worauf ich Lust habe, denn ich glaube, dass einem der Körper durchaus signalisiert, was gerade gerne hätte.
Ich achte beim Einkaufen aber immer noch auf die Qualität der Nahrung. Gerade der Kinder wegen versuche ich immer noch Bioprodukte zu kaufen, soweit ich mir dies finanziell erlauben kann.
Der Genuss sollte auf allen Fällen ganz wichtig sein. Bewusst essen und nicht nebenbei….

Danke für deinen Artikel!!!

PS: Auf ein gegrilltes Hähnchen wollte ich auch nie verzeichten ;-)))

LG Jürgen

Reply

Vegetarier October 26, 2009 at 02:46

Hi,

ich glaube auch, daß es entscheidend ist für das Durchhalten des Vegetarierseins, aus welchen Gründen man zum Vegetarier wird. Wenn es wie bei dir eher das persönliche Wohlbefinden war, dann kann ich verstehen, daß du es nicht mehr bist, denn mir hat auch ganz lang das “Fleischige ” richtig gefehlt. Ist aber jetzt weg. Und bei mir steht eher der Tierschutz im Vordergrund, warum ich nun wohl auch zum Veganer werde.

Schöne Grüße
Oliver

Reply

Ramin October 26, 2009 at 16:34

Hi Jürgen,

genau, ich denke Du hast es perfekt auf den Punkt gebracht: bewusst essen, und nicht nebenbei. Dann verfeinert sich der Geschmack im Laufe der Zeit schon fast von alleine so, dass man sich gesünder ernährt.

Viele Grüße,
Ramin
PS: ich habe in Bangkok den Hähnchen-Grillmaster of the Universe gefunden. Nirgendwo sonst habe ich so leckeres gegrilltes Hähnchen gegessen. Ich nenn ihn den Leonardo DaVinci des Hähnchen-Grillens 🙂

Reply

Ramin October 26, 2009 at 16:39

Hi Oliver,

ich glaube für Veganer ist der Oktober in Thailand dann das Paradies. Fast zwei Wochen lang gibt es überall auf den Märkten veganisches Essen das einen von den Socken haut.
Wer aus Respekt vor den Tieren aufhört Fleisch zu essen, Hut ab 🙂 Irgendwo habe ich ja auch mal gelesen, dass der exzessive Fleischkonsum eine enorme Umweltbelastung ist, weil das Vieh soviel Grünzeug wegfrisst. Insofern ja wirklich eine schöne Art seinen eigenen Footprint ein wenig zu schmälern.

Viele Grüße,
Ramin

Reply

Vegan May 4, 2010 at 15:15

Also, ich kann da nur zustimmen, es kommt darauf an, weshalb man Vegetarier wird. Wenn es aus enrährungsgründen und/oder wegen des Tierleids ist, dann hat man glaub ich gar kein Problem damit, die Ernährung umzustellen. Ich bin mittlerweile sogar veganer und mir fehlt auch nix. Es kommt darauf an, dass man sich bewusst ernährt und darauf achtet, all das zu bekommen, was der Körper braucht. Und so schwer ist das hier in unserer Gesellschaft ja nicht wirklich 😉

Reply

Thomas June 9, 2010 at 16:43

“Irgendwo habe ich ja auch mal gelesen, dass der exzessive Fleischkonsum eine enorme Umweltbelastung ist, weil das Vieh soviel Grünzeug wegfrisst.”
Richtig, weil dafür Regenwald abgeholzt wird und die Tiere große Mengen an MEthan ausstoßen (was rund 10 Mal schädlicher ist als CO2).

Reply

Leave a Comment

Previous post:

Next post: